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Militärischen Lufttransport europäisch organisieren heißt Ressourcen effizienter nutzen

Für Sicherheit und Schutz der Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik
Deutschland bedarf es einer umfassend angelegten Sicherheitspolitik, bei der
inzwischen auch bewaffnete Einsätze der Bundeswehr gemeinsam mit Verbündeten
und Partnern fester Bestandteil der Sicherheitsvorsorge sind. Die Bandbreite
für den Einsatz deutscher Streitkräfte umfasst sowohl friedenserhaltende, stabilisierende
und friedenserzwingende Operationen als auch Aufgaben im Rahmen
der nationalen Krisenvorsorge wie zum Beispiel die Evakuierung deutscher Staatsbürger
aus Notlagen sowie humanitäre Einsätze. Wesentliche Voraussetzung für
die Wahrnehmung dieser Aufgaben ist die strategische, operative und taktische
Beweglichkeit der eingesetzten Kräfte und Mittel. Dem militärischen Lufttransport
kommt, mit Blick auf die schnelle und weltweite Reaktionsfähigkeit der Streitkräfte,
eine besondere Bedeutung zu. Der militärische Lufttransport ist eine streitkräftegemeinsame Aufgabe. In der Bundeswehr stellt die Luftwaffe Kräfte für den
strategischen Lufttransport von Personal und Material in weit entfernte Einsatzgebiete,
für die Luftbetankung sowie für taktisch-/operativen Lufttransport von
Personal und Material im Einsatzgebiet, einschließlich der Unterstützung von militärischen Rettungs- und Evakuierungsoperationen. Insbesondere in den laufenden
Einsätzen gewinnt der taktische Lufttransport zur Unterstützung von Operationen
im Einsatzraum sowie die bedarfsorientierte Unterstützung der Spezialkräfte im
streitkräftegemeinsamen Einsatzverbund zunehmend an Bedeutung. Zu den Aufgaben
der Luftwaffe gehört auch die weltweite Beförderung von Persönlichkeiten
des politisch/parlamentarischen Bereiches sowie der strategische und operative
Lufttransport von Verwundeten, Verletzten und Kranken (MedEvac).
Die Notwendigkeit zur zentralen Einsatzführung
der Lufttransportkräfte
wurde bereits nach den ersten Hilfsflügen
der Luftwaffe nach Afrika im
Jahr 1960 erkannt. Aus den Erfahrungen
dieser ersten Einsätze heraus wurde
1961 in Köln Wahn eine Kommandobehörde
zur zentralen Führung derLufttransportkräfte aufgestellt, dem
die Lufttransportgeschwader, die Luftrettungsleitstellen
sowie die Flugbereitschaft
BMVg zunächst nur fachlich
unterstellt waren. Die truppendienstliche
Führung der Lufttransportverbände
verblieb in der Verantwortung
der Luftwaffendivisionen. Weitere Erfahrungen
in den Einsätzen führten
1971 zur Zusammenfassung der truppendienstlichen
und fachlichen Führung
der Lufttransportkräfte der Luftwaffe
in einem Lufttransportkommando am
Standort Münster.

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Seither nahm das Lufttransportkommando
die Fachaufgabe „Lufttransport“ für
die Luftwaffe wahr und war damit die
einzige verbliebene Fachdivision der
Luftwaffe. Ihm oblag sowohl die truppendienstliche
und fachliche Führung der
drei Lufttransportgeschwader, LTG 61
Penzing, LTG 62 Wunstorf, LTG 63
Hohn, sowie der Flugbereitschaft BMVg
am Standort Köln Wahn, als auch die
Planung, Steuerung, Führung und Auswertung
von Lufttransporteinsätzen
auf der Mittel- und Langstrecke im
Pilotdienst für die Bundeswehr und als
Sonderaufgabe für den politisch/parlamentarischen
Bereich. Die weltweite
Führung aller Lufttransporteinsätze der
Luftwaffe erfolgte aus einem zentralen
Gefechtsstand, der rund um die Uhr an
jedem Tag im Jahr qualifiziert besetzt
war. Der Such- und Rettungsdienst
(Search and Rescue/SAR) der Bundeswehr
ist eine Einrichtung der Streitkräfte
zur Einsatzunterstützung. Er ist zugleich
Teil des nationalen Such- und Rettungsdienstes
der Bundesrepublik Deutschland.
Der SAR-Dienst der Bundeswehr
war dem Lufttransportkommando unterstellt.
Zur Führung von Einsätzen der zugewiesenen
Kräfte und Mittel im Rahmen
des militärischen Such- und Rettungsdienstes
sowie zur Wahrnehmung der Aufgaben im Rahmen der hoheitlichen
Aufgabe für die Zivilluftfahrt betrieb
das Lufttransportkommando am Standort
Münster eine, ebenfalls ständig besetzte,
SAR-Leitstelle.

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Die multinationale Stabsstruktur des EATC mit den zwei Hauptsäulen, der Operational und der Functional Division.

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Vernetzung und Außenbeziehungen des
EATC.


Weltweite Krisen und Konflikte erfordern Kooperationen im Bereich Lufttransport

Mit dem Ende der Ost-West Konfrontation
erfolgte eine stärkere sicherheitspolitische
Orientierung hin zur Bewältigung
internationaler Konflikte und asymmetrischer
Bedrohungen.Vor dem Hintergrund
der Anschläge des 11. September
2001 wurde eine Berücksichtigung des
Kampfes gegen den internationalen
Terrorismus bei der Neuausrichtung der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik
der Bundesrepublik Deutschland erforderlich.
Ein effektives Engagement
im Kampf gegen den internationalen
Terrorismus ist nur im Verbund mit Partnern
möglich, da so unterschiedliche
Fähigkeiten einzelner Nationen in ein
gemeinsames Ganzes zusammengeführt
werden und neben einem
„burden sharing“ auch synergetische
Effekte erzielt werden.

In diesem politischen Kontext nahmen
Anzahl, Intensität, Umfang und Dauer
der Einsätze der Bundeswehr stetig zu.
Damit einher gehen neue militärische
Anforderungen an Ausrüstung und Ausstattung,
sowie Ausbildung der Bundeswehr
für gemeinsame Operationen mit
unseren Verbündeten und Partnern.
Auf dieser Grundlage wurden Auftrag
und Aufgaben der Bundeswehr neu
definiert, gewichtet und 2003 in den
Verteidigungspolitischen Richtlinien
(VPR) zusammengefasst. Die Ergebnisse
fanden ihren Niederschlag in der neuen
Konzeption der Bundeswehr und der
Umstrukturierung der Streitkräfte.
Weltweit Krisen und Konflikte zu bekämpfen,
heißt für die europäischen
Streitkräfte in der Lage zu sein, Menschen
und Material schnell und in großen
Mengen transportieren zu können. Der
damit verbundene Luftransport-Bedarf
und die Notwendigkeit, Synergien
in einem europäischen Ansatz zu erschließen,
haben schon früh zu dem
Entschluss geführt, ein Europäisches
Lufttransportkommando aufzubauen.
Im Jahr 1999 schlug der damalige Bundesminister
der Verteidigung, Rudolf
Scharping, seinen NATO-Kollegen vor,
die Kooperation im Bereich Lufttransport
durch die Entwicklung eines
European Air Transport Command (EATC)
auf eine gemeinsame Basis zu stellen.

Der Vorschlag führte in der Folge zu einer
Erklärung des Deutsch-Französischen
Verteidigungs- und Sicherheitsrats vom
30. November 1999, mit der Deutschland
und Frankreich die Zielsetzung bekräftigten,
schrittweise und im geeigneten
multinationalen Rahmen ein EATC aufzustellen,
um die vorhandenen militärischen
Lufttransportmittel gemeinsam
zu führen und damit Synergieeffekte
zu erzielen. Diese politische Absichtserklärung
umsetzend, beauftragten die
in der European Air Group (EAG) zusammengeschlossenen
sieben Nationen
(BEL, DEU, ESP, FRA, GBR, ITA und NLD)
die Durchführung einer European Airlift
Study.

Ebenfalls über die EAG wurde im
Gesamtzusammenhang der Kooperation
im europäischen Lufttransport die Entwicklung
des „Technical Arrangement
Air Transport, Air to Air Refuelling and
other Exchanges of Services“ (TA ATARES)
beauftragt und am 8. Februar 2001 unterzeichnet.
Ziel der Vereinbarung ist die
bevorzugt bargeldlose Abrechnung
gegenseitiger Unterstützungsleistungen
zur Überbrückung von Kapazitätslücken.
Teilweise existierende bilaterale
Abkommen ähnlichen Inhaltes wurden
sukzessive in das TA ATARES überführt.
Die Existenz dieses Verrechnungssystems
stellt bis heute eine Grundlage für die
folgenden Integrationsschritte im europäischen
Lufttransport dar.

Die European Airlift Study konzentrierte
sich unter anderem auf das Identifizieren
von Handlungsoptionen und Verfahren
bezüglich der Einrichtung einer permanenten
Airlift Coordination Cell beziehungsweise
anderer Mechanismen
mit dem Ziel, die Effizienz der europäischen
Lufttransportkapazitäten insgesamt
zu erhöhen. Sie führte zu dem
klaren Ergebnis, dass aktuell vorhandene
Defizite im europäischen
Lufttransportbereich durch erweiterte
Kooperation und Koordination abgemildert
werden können. Der Effizienzgewinn
sollte darüber hinaus noch größer
werden, sobald die A400M-Nationen das
einheitliche Flugzeugmuster in Betrieb
genommen und ihre Verfahren weitestgehend
standardisiert haben. Hierzu ist
allerdings das nachhaltige Vertrauen
aller beteiligten Nationen in die Vorteile
multinationaler Kooperationsansätze
die entscheidende Voraussetzung für
den Erfolg: Der Wille zur Integration.
Auch diesem Aspekt wurde im Rahmen
der Untersuchungen der Airlift Study
besondere Aufmerksamkeit gewidmet,
wobei ein evolutionärer Lösungsansatz
über mehrere Stufen der Integration
entwickelt wurde. Als Schlüsselempfehlung
wurde die Schaffung einer gemeinsamen
europäischen Einrichtung
zur optimierten Nutzung gegenwärtiger
und zukünftiger Lufttransportmittel
benannt.

Der Erfolg der EACC war
richtungsweisend für die Integration
im Lufttransport

Im Sinne dieser Schlüsselempfehlung
wurde in 2001 die European Airlift
Coordination Cell (EACC) in Eindhoven
aufgestellt. Aufgabenschwerpunkt der
EACC war die Koordination von Lufttransporteinsätzen
der Partnernationen
mit dem Ziel der Ressourcenoptimierung.
Kompetenzen, beziehungsweise
Weisungsbefugnisse, gegenüber nationalen
Kommandos waren für diese
erste Phase nicht vorgesehen. Der EACC
gelang es auf dieser Basis nach etwas
mehr als einem Jahr eine bedeutende
Verbesserung der Ressourcenausnutzung
zu erzielen. Durch die Umsetzung
der Koordinierungsvorschläge
wurden Effizienzsteigerungen in einer
Größenordnung erreicht, die rechnerisch
die Aufwendungen für den Betrieb
der EACC deutlich überstiegen.

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