Ausbildung von Leopard-Panzerfahrern in Munster

Die Slowakei erhält aus Beständen der deutschen Rüstungsindustrie 15 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 A4. Die Lieferung wird durch ein Ausbildungs-, Logistik- und Munitionspaket ergänzt. Von der Industrie werden dazu Fahrzeuge geliefert, die sie von europäischen Streitkräften zurückgekauft hat. Für die Aufbereitung der Leopard 2 A4 entstehen Kosten in einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich, die von der Bundesrepublik übernommen werden.

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Die Fahrausbildung ist neben der Technik Schwerpunkt (Foto © HHK / Fritsch)

Im Zuge des Ringtausches gibt der NATO-Partner schnellstmöglich 30 Schützenpanzer sowjetischer Bauart vom Typ BMP-1 an die Ukraine ab. Das schwimmfähige Gefechtsfahrzeug für die Infanterie ist eines der am weitesten verbreiteten Panzerfahrzeuge der Welt, auch die ukrainischen Streitkräfte sind damit ausgestattet. Die Bundesministerin der Verteidigung stellte deshalb kürzlich fest: „Die Slowakei wird schnellstmöglich Schützenpanzer an die Ukraine abgeben, mit denen sich die Soldatinnen und Soldaten dort bereits auskennen und die unverzüglich bei der Verteidigung des Landes gegen Russland eingesetzt werden können.“ Christine Lamprecht weiter: „Der Ringtausch bewährt sich neben unseren direkten Waffenlieferungen als ein sinnvoller Weg, um den Überlebenskampf der Ukraine schnell und effektiv zu unterstützen. Mit der Lieferung des Leopard-Pakets steht die Bundesrepublik zu ihrem Wort.“

Die Lieferung der deutschen Leopard-Kampfpanzer trägt dazu bei, die durch die Abgabe entstehende Lücke in der Einsatzbereitschaft des slowakischen Heeres zu schließen. Die ersten 2 A4 sollen noch in diesem Jahr an den Bündnispartner ausgeliefert werden. Damit erhält die Slowakei ein bewährtes Gefechtsfahrzeug, auf das die Armeen von 18 Staaten vertrauen bzw. lange vertraut haben. Insgesamt wurden davon über 3500 Stück produziert, das erste von acht Losen ging 1979 an die Bundeswehr.

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Die Slowaken bewerten den Leopard 2A4 sehr positiv (Foto © HHK / Fritsch)

Seine Leistungsfähigkeit verdankt der Leopard 2 A4 einer optimalen Kombination aus Panzerung, Beweglichkeit, Feuerkraft und Führbarkeit. Seine Bewaffnung besteht aus einer erstmals im Westen in Kampfpanzer eingebauten 120 Millimeter-Glattrohrkanone und einem Maschinengewehr vom Kaliber 7,62 Millimeter. Er besitzt einen passiven Schutz gegen Hohlladungsgeschosse und KE-Munition (Kinetische Energie), Optroniken zur Aufklärung bei Tag und Nacht über weite Entfernungen. Garantiert ist benutzerfreundliches Fahren durch einfache Bedienung und Handhabung sowie eine hohe Zuverlässigkeit in allen Bereichen.

Die Ausbildung der slowakischen Soldaten an ihren neuen Kampfpanzern findet in Deutschland statt. Während das Training für Kommandanten, Lade- und Richtschützen durch die Panzertruppe durchgeführt werden wird, absolvieren die Panzerfahrer am Kraftfahrausbildungszentrum Munster einen vierwöchigen Kurs. Nachdem bereits tschechische Soldaten im Rahmen eines Ringtausches die Ausbildung durchlaufen haben, kamen Mitte November dieses Jahres slowakische Panzerfahrer in die Heide. Ab Januar 2023 erfolgen für jeweils acht Angehörige der beiden Armeen weitere Durchgänge.

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 Ausbildung am Schnittmodell Fahrerplatz(Foto © HHK / Fritsch)

Das in der Heidestadt Munster ist das einzige von 20 Kraftfahrausbildungszentren, das Fahrer für den Leopard 2 A4 ausbildet. Die genutzte NATO-Sprache Englisch wird, falls notwendig, von Sprachmittlern in die slowakische übersetzt. Ausbildungsorte sind Lehrsäle, eine Halle und das Gelände des nahegelegenen Truppenübungsplatzes. In der Technikhalle stehen Schnittmodelle von Bestandteilen der Panzerwanne, voll ausgestattete Fahrerplätze und Bedienpulte für die Brems- und Tiefwatanlage, die Feuerwarn- und Löschanlage sowie weitere technische Einrichtungen zur Verfügung. Die Technische Ausbildung umfasst mehr als 80 Stunden, in denen die Soldaten für den praktischen Teil im Gelände vorbereitet werden bzw. dieser vertieft wird.

Es ist weitgehend Einzelunterricht, den die künftigen Leopardfahrer erhalten, sowohl in der Technikhalle wie auch im Gelände. Draußen geht es über sandiges Gelände, tiefgefahrene Wege, Betonhindernisse und Steigungen. Schritt für Schritt erlernen die Fahrschüler dort den Umgang mit dem Fahrschulpanzer, dessen 55-Tonnen dem Kampfgewicht des Gefechtsfahrzeuges entsprechen.

Die deutschen Ausbilder loben ihre slowakischen Kameraden, die zwischen zwei und 15 Jahren Erfahrung auf dem zu Sowjetzeiten entwickelten und gebauten Kampfpanzer T 72 haben. Damit findet im Grunde eine Umschulung auf den Leopard 2 A4 statt, bei der auch auf die Unterschiede zwischen den beiden Gefechtsfahrzeugen eingegangen werden muss. So stellt ein Stabsfeldwebel des Zentrums fest: „Beim T 72 ist beispielsweise der Fahrerplatz in der Mitte, beim Leo auf der rechten Seite. Damit haben die Soldaten links mehr Panzer neben sich, darauf müssen sie achten.“

 

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Die slowakischen Kameraden sind routinierte Panzerfahrer(Foto © HHK / Fritsch)

Eine Herausforderung für die Slowaken stellt auch der Umstand dar, dass es in ihrer Heimat nicht üblich ist, mit Kettenfahrzeugen befestigte Straßen zu nutzen. „Das müssen sie noch lernen“, macht der Fahrlehrer deutlich, „aber im Gelände merkt man ihre Erfahrung, das haben sie drauf.“

Slowakische Soldaten betonen den Unterschied zwischen den gewohnten zwei Lenk- und Bremshebeln des T 72 und dem kleinen Lenkrad des Leopard. Gut kommt bei ihnen auch die Geschwindigkeit des deutschen Panzers im Gelände sowie das halb-/vollautomatische Schaltgetriebe an. Darüber hinaus können sie unter Luke mehr sehen und genießen durch mehr Platz größerem Komfort.

Mit den Durchgängen am Kraftfahrausbildungszentrum und der Ausbildung in der Panzertruppe trägt die Bundeswehr, gemeinsam mit der Industrie, zum Gelingen des deutsch-slowakischen Panzer-Ringtausches bei. Damit wird die Entscheidung der Bundesregierung umgesetzt, die Ukraine zu unterstützen, aber, um die Landes- und Bündnisverteidigung weiter zu gewährleisten, keine Panzer aus Beständen der deutschen Streitkräfte zu liefern. In der dazu notwenigen Unterstützung der slowakischen und weiterer Streitkräfte wurden in Munster die ersten Schritte getan.

Ein Beitrag von Johann R. Fritsch /HHK