Ulmer Kommando bereit mit Planungsfähigkeiten zu unterstützen

Ulm, 22. Juni2022 - Die Europäische Union (EU) muss bei Krisen effektiv und reaktionsschnell handeln. Den Institutionen und Organen der EU stehen dazu zahlreiche militärische und zivile Mittel zu Verfügung, darunter auch die schnelle EU-Eingreiftruppe, die gemäß „Strategischer Kompass“ - dem neuen sicherheits- und verteidigungspolitischen Grundlagendokument der EU - von den substantiell modifizierten „EU Battlegroups“ zu einer „schnellen EU-Eingreifkapazität“ ausgebaut wird.

Das Multinationale Kommando Operative Führung (MN KdoOpFü) wird die EU in den nächsten Jahren als eines von fünf bei der EU „eingemeldeten“ Haupt-quartieren zur Führung von militärischen Kräften auf militärstrategischer Ebene mit Planungsfähigkeiten unterstützen. Für diese Aufgabe hat das Hauptquartier seine Einsatzbereitschaft festgestellt und nach Brüssel und Berlin gemeldet.

Die Feststellung dieser Einsatzbereitschaft folgt einer internen Strukturanpassung, mehreren Konferenzen mit EU-Organen sowie Übungen, bei denen Planungsexperten des MN KdoOpFü die Institutionen der EU bei der Verbesserung der Krisenreaktions-fähigkeit mit ihrer Expertise unterstützt haben.

An der Schnittstelle zwischen Bundeswehr, EU und NATO stellt das MN KdoOpFü mit seinen Planungskapazitäten, Fähigkeiten und einer langjährigen Expertise auch weiterhin ein bewährtes Hauptquartier auf militärstrategischer Ebene für militärische Einsätze und Übungen im Rahmen der „Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ (GSVP) der EU zur Verfügung. Es stärkt somit die Handlungs- und Krisenreaktionsfähigkeit der EU und ist ein wesentliches Element des vom Europäischen Rat im März 2022 gebilligten „Strategischen Kompass“.

Der „Strategische Kompass“ der EU und das MN KdoOpFü

Der „Strategische Kompass“ beschreibt die gemeinsamen strategischen Ziele der EU in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung. Die EU-Mitgliedstaaten verpflichten sich auf eine Reihe konkreter und weitreichender Ziele für die kommenden fünf bis zehn Jahre.

Derzeit wird die Umsetzung der Zielvorgaben des „Strategischen Kompass“ in Brüssel und den EU-Mitgliedstaaten erarbeitet. Als Hauptquartier der militärstrategischen Ebene unterstützt das MN KdoOpFü auf Anfrage aus Brüssel und Berlin die Umsetzung dieses Prozesses. Somit steht das Ulmer Kommando nicht nur durch ein langjähriges Engagement, sondern auch auf Grundlage der künftigen Ausrichtung mit den EU-Institutionen in Verbindung und hält durch eine intensive Zusammenarbeit einen engen Kontakt mit der „EU Community“.

Die Krisenreaktionskräfte der EU und das MN KdoOpFü

Zum „Strategischen Kompass“ gehört ein konkreter Plan für eine „schnelle EU-Eingreifkapazität“ (Rapid Deployment Capacity), womit die EU je nach Szenario rasch einen bis zu 5.000 Mann starken und modular aufgebauten multinationalen Großverband für verschiedene Arten von Krisen flexibel einsetzen kann.

Ein Ziel des „Strategischen Kompass“ ist nicht nur die Erhöhung der Einsatzbereitschaft durch regelmäßige Stabs- und Truppenübungen, sondern auch die Stärkung der Führungsstrukturen und -verfahren, so dass Entscheidungen innerhalb der EU rascher und flexibler getroffen werden können.

Die schnelle EU-Schnelleingreifkapazität ist damit das militärische Herzstück des „Strategischen Kompass“. Sie wird voraussichtlich 2025 die volle Einsatzbereitschaft erreichen und das erste Mal Anwendung finden, wenn Deutschland als Rahmennation die Führung über die EU-Eingreifkräfte übernehmen und das MN KdoOpFü als Hauptquartier der militärstrategischen Ebene eine wichtige Rolle einnehmen wird.

Im Falle einer Krise und nach Aktivierung durch die politischen Entscheidungsträger werden die Krisenreaktionskräfte der EU von einem operativen Hauptquartier im Einsatzland geführt, das wiederum einem militärstrategischen Hauptquartier unterhalb der politischen Ebene unterstellt ist und politische Weisungen in militärisches Handeln umsetzt. In dieser Funktion stand das MN KdoOpFü der EU bereits mehrfach als militärstrategisches Hauptquartier zur Verfügung, zuletzt für die EU Battlegroup 2020-2 von Juli 2020 bis März 2021.

2025 – Hochwertiges EU-Engagement des Ulmer Kommandos

Deutschland hat für 2025 wieder angeboten, als Rahmennation die Führung der dann erstmals 5.000 Einsatzkräfte umfassenden multinationalen Krisenreaktionskräfte zu übernehmen und den Kern der Truppe zu stellen. Das MN KdoOpFü wird für die zugewiesenen Aufgaben auf militärstrategischer Ebene bereit stehen. Insbesondere wird es die „Militärische Planungs- und Führungsfähigkeit“ (Military Planning and Conduct Capability – MPCC) der EU mit Planungsfähigkeiten bei der Führung von Missionen und ggf. Operationen im internationalen Krisenmanagement unterstützen. Die bereits 2017 aufgestellte MPCC ermöglicht es zentral aus Brüssel heraus, Missionen und Operationen der „Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ nach einem integrierten Ansatz, d.h. in Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Institutionen zu führen. Die MPCC ist Teil des Europäischen Militärstabes (EUMS) und gewährleistet die durchgehende militärische Führungsfähigkeit der EU auch im Krisenfall.

Deutschland leistet mit dem MN KdoOpFü somit einen wesentlichen Beitrag, die Fähigkeiten des MPCC für ihre vorgesehenen Aufgaben zu unterstützen. Dazu verfügt das Ulmer Kommando über die benötigten Fähigkeiten und Expertisen, welche die zentralen EU-Führungsstrukturen temporär verstärken können.

Quelle: Multinationales Kommando Operatie Führung Pressestelle