MEADS Flight Test 2Warschau, 5. Februar 2015 - Polen will nach Angaben aus Verteidigungskreisen möglicherweise doch über einen Kauf des Raketenabwehrsystems MEADS nachdenken, das von der Airbus -Tochter MBDA entwickelt wird. Sollte sich Deutschland für MEADS entscheiden, könnte Polen seinen Beschluss vom vergangenen Jahr überdenken, MEADS von der Ausschreibung für den Auftrag auszuschließen, hieß es im Verteidigungsministerium in Warschau am Donnerstag. Seit dem Ausschluss des MEADS-Konsortiums sind noch der US-Konzern Raytheon mit seinem System PATRIOT sowie das französische Unternehmen Thales im Rennen um die Order im Volumen von fünf Milliarden Dollar. Deutschland will die Entscheidung über seine neue, ebenfalls milliardenschwere Raketenabwehr Mitte des Jahres fällen.
„MEADS könnte durchaus noch auf den Tisch kommen“, sagte ein hochrangiger Vertreter des Verteidigungsministeriums in Warschau der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden darüber nachdenken, MEADS die Teilnahme an der Ausschreibung zu gestatten, falls Deutschland das System zum Herzstück seiner Raketenabwehr machen sollte. Polen wolle, dass seine Raketenabwehr mit der von Deutschland kompatibel sei, da Deutschland sein engster Verbündeter sei.“
Die Streitkräfte beider Länder hatten ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten nicht zuletzt unter dem Eindruck der Ukraine-Krise verstärkt. Das Bundesverteidigungsministerium will Mitte des Jahres über die neue Raketenabwehr für die Bundeswehr entscheiden. Zur Auswahl steht eine Fertigentwicklung von MEADS oder die Beschaffung einer modernisierten Variante von PATRIOT, das die deutsche Armee bisher nutzt. Die neue Raketenabwehr ist eines der größten Rüstungsvorhaben des kommenden Jahrzehnts mit einem geplanten Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro. An MBDA sind Airbus, die italienische Finmeccanica und die britische BAE Systems beteiligt. Außerdem gehört der US-Konzern Lockheed Martin zum MEADS-Konsortium.
Nach ursprünglicher Planung sollte MEADS ab 2018 bei der Bundeswehr eingeführt werden. Die USA kündigten jedoch 2011 ihren Ausstieg aus dem Projekt an, dessen Entwicklung bis heute nicht abgeschlossen ist. Insgesamt hat die Arbeit an MEADS bisher mehr als vier Milliarden Dollar gekostet. Deutschland ist mit rund 1,2 Milliarden Euro daran beteiligt. – Reuters, 5. Februar 2015 / JRO