Berlin, 12. März 2020 – Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 11. März ein wichtiges Signal für die deutsch-französische Kooperation im Panzerbau gegeben. Für die nächsten beiden Jahre wird eine Studie für das bodengebundene Hauptkampfsystem der Zukunft als innovative Nachfolge der derzeitigen Kampfpanzergeneration beauftragt. Hinter dem Namen Main Ground Combat System (MGCSMain Ground Combat System) verbirgt sich die zukünftige Ausstattung der Panzertruppe mit schwerem Gerät. MGCS Main Ground Combat System soll ab Mitte der 2030er Jahre die deutschen Leopard 2 und die französischen Leclerc Kampfpanzer ablösen. Nun wird mit der Beauftragung einer Systemarchitekturdefinitionsstudie ein wichtiger nächster Schritt in der Fortführung der deutsch-französischen Zusammenarbeit gemacht.

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Foto © Bundeswehr/Marco Dorow

Studie beauftragt
Mit der Beratung im Haushaltsausschuss am 11. März 2020 hat das Vorhaben der Entwicklung des neuen bodengebundenen Hauptkampfsystems gemeinsam mit Frankreich einen weiteren Schritt zur Realisierung getan. Für die nächsten beiden Jahre wird eine Systemarchitekturdefinitionsstudie beauftragt. Die Kosten teilen sich Deutschland und Frankreich. Die nun erfolgte Befassung des Haushaltsausschusses ist zugleich ein wichtiges politisches Richtungssignal im Hinblick auf eine zunehmende europäische Kooperation auch im Verteidigungsbereich. 

Am Anfang steht die Forschung
Mit dem MGCSMain Ground Combat System sollen die Fähigkeiten im mechanisiert geführten Gefecht erhalten und bedrohungsgerecht weiterentwickelt werden, insbesondere im Kampf gegen gepanzerte Kräfte im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Mit einem innovativen Ansatz und Einbeziehung modernster Technologien geht MGCSMain Ground Combat System deutlich über eine rein lineare Fortschreibung der bisherigen Fähigkeiten des Kampfpanzers  Leopard 2 hinaus. Deutschland verfolgt einen innovativen „System of Systems“-Ansatz mit einer Kombination von bemannten und unbemannten Plattformen (Multiplattform-Konzept).

Die Vorstellungen von Deutschland und Frankreich müssen nun in dieser Phase harmonisiert werden: In den letzten Jahren wurden in gemeinsam mit Frankreich durchgeführten Studien zunächst Fähigkeitsforderungen abgeleitet und anschließend nationale Konzepte entwickelt, die diese Forderungen erfüllen können. Diese Konzepte sollen mit der nun anlaufenden Systemarchitekturdefinitionsstudie weiterentwickelt und zusammengeführt werden.

Von Theorie zur Praxis
Ist erst die Systemarchitektur in greifbarer Nähe, sollen Technologiedemonstratoren entstehen. Denn das zukünftige System muss nicht nur auf dem Papier, sondern in der Landes- und Bündnisverteidigung sowie in Einsätzen bestehen. Mit dem Demonstrator soll nachgewiesen werden, dass die Forderungen des deutschen und des französischen Bedarfsträgers erfüllt werden. Denn MGCSMain Ground Combat System soll in allen Operationsarten einen wesentlichen Beitrag im Fähigkeitsprofil der Bundeswehr leisten.

Wechselseitiges Vertrauen ist Voraussetzung
Ohne ein gemeinsames Verständnis ist ein solches Projekt nicht umsetzbar. Bereits beim deutsch-französischen Ministertreffens am 19. Juni 2018 in Meseberg wurde grundsätzlich beschlossen, ein zukünftiges bodengebundenes Hauptkampfsystem gemeinsam zu entwickeln. Die deutsch-französische Zusammenarbeit soll dabei die Grundlage einer möglichst breiten europäischen bzw. NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kooperation bilden. Für das MGCSMain Ground Combat System hat Deutschland die Führung übernommen. Beide Nationen sollen aber gleichermaßen von der Zusammenarbeit profitieren. Deshalb basieren die zu schließenden Verträge auf einer 50-prozentigen Finanzierung zwischen Deutschland und Frankreich. Beide Nationen sollen für die zukünftig beabsichtigte Nutzung der Arbeitsergebnisse ausreichende Rechte am geistigen Eigentum erhalten.

Know-how in Europa halten
Durch die Investition in dieses Projekt wird es der deutschen Verteidigungsindustrie ermöglicht, sich durch die Entwicklung und Anwendung zukunftweisender Landsystemtechnologien auch langfristig als weltweit führende Landsystemindustrie zu positionieren. Mit dem MGCSMain Ground Combat System wird die nationale Schlüsseltechnologie „geschützte/gepanzerte Fahrzeuge“ im Sinne der Strategie der Bundesregierung erhalten und gestärkt. Das Vorhaben MGCSMain Ground Combat System hat das Potenzial, mittelfristig das größte europäische landbasierte Rüstungsprojekt für die Entwicklung eines europäischen Landkampfsystems zu werden.

Lücken rechtzeitig erkennen
Derzeit ist der Leopard 2 der entscheidende Fähigkeitsträger des Heeres im Bereich der duellfähigen, direkten Wirkung am Boden und trägt damit wesentlich zur Landes- und Bündnisverteidigung bei. Doch 2035 wird der Kampfpanzer dann eine nahezu 60jährige Karriere hinter sich haben. Weiterentwicklungen sind dann aufgrund der technischen Rahmenbedingungen enge Grenzen gesetzt. Darum werden jetzt die Weichen für das MGCSMain Ground Combat System gestellt. Zugleich ist dies ein wichtiges politisches Richtungssignal für die europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik.

Quelle BMVg / Alexander Schröder