Berlin, 4. Februar 2020 – Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat auf der Bundeswehrtagung am 03.02.2020 u.a. auch die Industrie angesprochen und gefordert, dass die Bundeswehr von ihr als Premiumkunde behandelt werde. Sie hat dies insbesondere an der zu geringen Einsatzbereitschaft vorhandener Ausrüstung und dem bisweilen verzögerten Zulauf neuen Geräts festgemacht. Hierzu hat sie Gespräche mit der Industrie angekündigt.

Der Hauptgeschäftsführer des BDSV, Dr. Hans Christoph Atzpodien, erklärt dazu:

„Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sieht sich an vorderster Stelle als Ausrüstungspartner der Bundeswehr. Daher wirkt der Industrieverband im Dialog mit dem Bundesverteidigungsministerium schon seit Langem darauf hin, dass Beschaffungsvorhaben endlich durchgreifend entbürokratisiert werden und bei Großvorhaben Serieneffekte und bewährte Industriekompetenz zuzulassen werden, anstatt der Industrie von der Amtsseite immer wieder neue, veränderte Vorgaben zu machen. Erste Teilerfolge konnten erreicht werden, indem für über 90 % aller Beschaffungsverträge der Bundeswehr erst jüngst der Einstieg in ein ausgehandeltes Branchen-Vertragsmuster erreicht werden konnte, welches beiden Marktseiten in Zukunft erheblichen Personal- und Zeiteinsparungen verspricht. Bei Großprojekten war die Bundeswehr bisher eher nicht bereit, dem Ruf der Ministerin nach einem „Kauf von der Stange“ zu folgen; aus Industrie-Sicht wäre schon viel gewonnen, wenn die Bundeswehr-Beschaffung zumindest erprobte und bewährte Design- und Baumuster der Industrie in Betracht ziehen würde, selbst wenn diese nicht 100 Prozent der ursprünglichen Fähigkeitsanforderungen entsprechen. Bei der für die Einsatzbereitschaft vorhandenen Geräts so wichtigen Instandhaltung muss bezweifelt werden, ob das von der Ministerin angekündigte Insourcing die erhoffte Verbesserung verspricht. Ausländische Kunden unserer Industrie haben sehr gute Erfahrungen mit der Verfügbarkeit des Geräts gemacht, wenn Sie die Instandhaltung in deutlich breiterem Umfang dem Hersteller übertragen haben als das die Bundeswehr bislang zu tun bereit war. Diese guten Beispiele sind im Verteidigungsministerium durchaus bekannt; dennoch besteht eine verbreitete Sorge, man mache sich zu sehr von der Industrie abhängig. Diese Sorge ist jedoch unberechtigt. Uns als Industrie ist es wichtig, uns das Vertrauen unseres Premiumkunden Bundeswehr in jedem Einzelfall zu erwerben und es zu rechtfertigen. Auch dazu bietet die Gesprächsankündigung der Ministerin eine wichtige und willkommene Plattform, die wir nachdrücklich begrüßen.“

Der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V. – BDSV – bündelt die Interessen von insgesamt 200 Mitgliedsunternehmen, die sich allesamt als Ausrüster für die staatlichen Organe der inneren wie der äußeren Sicherheit verstehen. In Deutschland schließt dies an erster Stelle auch die Bundeswehr als Kunden ein. Daher tauschen sich das Bundesministerium der Verteidigung und die vom BDSV vertretene Industrie seit 2014 in einem sog. Strategischen Industriedialog über alle beiderseits wesentlichen Themen in insgesamt sechs Gesprächskreisen aus, darunter auch zu den Themen der Beschaffung neuen und der Verbesserung der Einsatzbereitschaft vorhandenen Geräts.

Weitere Informationen finden Sie hier www.bdsv.eu