Koblenz/Bonn, 13.01.2020 – Sikorsky, ein Unternehmen von Lockheed Martin, und Rheinmetall haben am 13. Januar 2020 ihr Angebot für die Fertigung und den Betrieb der Sikorsky CH-53K als neuen schweren Transporthubschrauber (STH) der Bundeswehr eingereicht. Für das Projekt haben der US-Hubschrauberhersteller Sikorsky und der deutsche Technologiekonzern Rheinmetall frühzeitig ein Kernteam gebildet, zu dem die namhaften deutschen Industrieunternehmen MTU Aero Engines, Autoflug GmbH sowie Hydro Systems KG zählen.

„Das gesamte Team freut sich, ein Angebot für den effizientesten und leistungsfähigsten Transporthubschrauber mit dem besten Langzeitwert für die Bundeswehr abgeben zu können“, sagte Frank Crisafulli, Leiter des STH-Teams bei Sikorsky, im Rahmen eines Pressegesprächs in Bonn. „Wir werden im weiteren Verlauf die Details unseres STH Angebots im engen Dialog mit dem BAAINBw abstimmen“, so Crisafulli. „Durch den frühzeitigen Aufbau eines deutschen Industrieteams und die Expertise unserer Partner können wir die Qualität des Angebots und im Anschluss auch die hohe Verfügbarkeit der CH-53K im Dienst der Bundeswehr sichern.“

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CH-53K des U.S. Marine Corps im Anflug oberhalb eines Transporthubschraubers CH-53G der Bundeswehr am Luftwaffenstandort Schönewalde/Holzdorf, der für die Einführung der STH Flotte vorgesehen ist. Foto: Christian Albrecht/Sikorsky

Mike Schmidt, Geschäftsführer der Rheinmetall Aviation Services GmbH, hob die Bedeutung des Projekts für den Industriestandort Deutschland hervor. „Deutsche Unternehmen werden einen erheblichen Anteil am Erfolg des CH-53K-Programms haben. Das bedeutet für die Industrie die Schaffung vieler neuer, langfristiger Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter und einen wichtigen Know-how-Transfer“, sagte Schmidt in Bonn. Neben dem bereits aufgebauten Kernteam würden am Ende weitere Unternehmen der deutschen Verteidigungsindustrie von dem Beschaffungsprojekt profitieren. „Sikorsky und Rheinmetall haben die Bewerbung über einen langen Zeitraum gemeinsam vorbereitet – das hat uns als Partner eng zusammengeschweißt. Wir sind zu einem sehr leistungsfähigen Team zusammengewachsen!“, so Schmidt.

Betrachtet man die Lebenszykluskosten sowie Missionsanforderungen und -fähigkeiten, liefert die CH-53K den deutlich besseren Langzeitwert im Vergleich zu anderen Transporthubschraubern. Die Avionik und das digitalisierte Flugsteuerungssystem bieten Aufwuchspotential für die Integration weiterer Systeme und auch die Nutzlastfähigkeit kann mit relativ einfachen Modifikationen erheblich gesteigert werden. Ein integriertes Sensor- und Diagnosesystem ermöglicht es dem Hubschrauber, Probleme frühzeitig zu erkennen und einzugrenzen, was den Wartungsaufwand drastisch vereinfacht und ausschlaggebend für eine hohe Verfügbarkeit und den effizienten Betrieb der gesamten Flotte ist.

Ein weiterer Vorteil der CH-53K ist die Fähigkeit zur Luftbetankung sowie volle Interoperabilität mit dem Betankungsflugzeug KC-130J von Lockheed Martin, dessen Beschaffung die Bundeswehr plant und das von Frankreich bereits eingesetzt wird. Aufgrund der Auslegung des Laderaums ist die CH-53K zudem fähig, die gleichen Lufttransportpaletten wie die C-130J und der A400M aufzunehmen und so einen schnellen Ladungsumschlag zu ermöglichen. Damit kann der Hubschrauber an Orten eingesetzt werden, wo diese Transportflugzeuge aufgrund ihrer Größe nicht mehr landen können.

Durch seine Vielseitigkeit ist dieser Transporthubschrauber für den taktischen Transport von Personal und Material, humanitäre Einsätze, medizinische Evakuierungs- oder bewaffnete Such- und Rettungsmissionen (CSAR) sowie im Katastrophenschutz einsetzbar. Besonders geeignet ist die CH-53K bei der zunehmend wichtigen Brandbekämpfung aus der Luft, da kein anderer verfügbarer Hubschrauber mehr Löschwasser, Material und Personal in Einsatzgebiete transportieren kann.

Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung wollen Sikorsky und Rheinmetall am Flughafen Leipzig/Halle ein Logistikzentrum sowie ein STH-Flotten-Unterstützungszentrum aufbauen. Wie die beiden Unternehmen bereits Ende Oktober 2019 ankündigten, befinden sie sich dazu in fortgeschrittenen Gesprächen mit Vertretern der Landespolitik, den dort bereits ansässigen Unternehmen sowie dem Flughafenbetreiber.

Hintergrund: Mit der Abgabe des Angebots beginnt die nächste Phase im Ausschreibungsprozess um den „Schweren Transporthubschrauber“ (STH). Das Angebot bildet die Grundlage für die Verhandlungen mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Die Abgabe eines finalen Angebots ist für Ende 2020 geplant. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe des neuen Transporthubschraubers soll Anfang 2021 getroffen werden. Die erste Auslieferung der Luftfahrzeuge könnte dann wie gefordert ab 2024 erfolgen, um den nahtlosen Übergang von der aktuellen CH-53G Flotte zu ermöglichen, das entsprechende Personal auszubilden und die logistischen Grundlagen für den Betrieb in Deutschland zu schaffen.

Weitere Informationen unter Lockheed Martin und Rheinmetall

 

ÜBER DAS DEUTSCHE CH-53K-TEAM

Sikorsky hat frühzeitig ein deutsches Industrieteam geformt und dafür gesorgt, dass die Expertise der lokalen Partner direkt in die Bewerbung einfließt. Ein Großteil der Wertschöpfung des Projekts wird somit in Deutschland entstehen. Das deutsche CH-53K-Team wird angeführt von Rheinmetall. Weitere Teammitglieder von Sikorsky sind unter anderem Autoflug, Collins Aerospace, Hensoldt, HYDRO Systems, MTU Aero Engines, Rohde & Schwarz, Vincorion und ZFL. Das deutsch-amerikanische CH-53K-Team bildet die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches STH-Programm und gewährleistet eine hohe Verfügbarkeit des Hubschraubers sowie zuverlässige Unterstützung und Wartung – über die gesamte Nutzungsdauer des Hubschraubers hinweg.

Rheinmetall wird der Bundeswehr als alleiniger Ansprechpartner und Koordinator des STH-Programms in Deutschland zur Verfügung stehen. Das Unternehmen übernimmt die Instandhaltung und die Ausbildung des Instandhaltungspersonals. Zudem ist Rheinmetall als systemverantwortliches Unternehmen für den Betrieb der Besatzungs-Ausbildungszentren sowie die eigentliche Ausbildung verantwortlich und stellt damit alle Trainings bereit, die die Bundeswehr für einen sicheren und effektiven Betrieb der CH-53K benötigt. Schließlich verantwortet Rheinmetall auch die entwicklungstechnische Betreuung sowie die technisch-logistische Unterstützung, die Technische Dokumentation sowie die Logistikkonzepte des Projekts.

MTU Aero Engines hat das Triebwerk der CH-53K gemeinsam mit GE entwickelt und ist für einen Projektanteil von 18 Prozent verantwortlich. Herstellung und Endmontage des Triebwerks für die CH-53K werden in Deutschland erfolgen. Die MTU ist neben der Fertigung auch für die Wartung des Triebwerks über die gesamte Nutzungsdauer des Hubschraubers hinweg verantwortlich. Dies wirkt sich positiv auf die Standorte München und Ludwigsfelde (Brandenburg) aus und sichert Arbeitsplätze sowie Know-how-Transfer. Der Standort Ludwigsfelde würde maßgeblich vom Aufbau neuer Infrastruktur und der Schaffung neuer Arbeitsplätze profitieren und damit zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Region Brandenburg beitragen.

AUTOFLUG GmbH wird sowohl an der Auslieferungs- als auch an der Instandhaltungsphase des CH-53K-Programms beteiligt sein, vor allem in den Bereichen Sicherheitssitze, medizinische Versorgung und Kabinenausstattung. Für AUTOFLUG macht das CH-53K-Programm einen erheblichen Anteil des Geschäfts von AUTOFLUG im Geschäftszweig Kabinen und Missionsausrüstung aus, fördert Innovationen und sichert Arbeitsplätze. Aufgaben für AUTOFLUG im Rahmen des deutschen CH-53K-Programms in der Serienlieferungs- und Nutzungsphase schaffen zusätzliche Stellen in der Herstellung sowie im Service und Support.

HYDRO Systems KG wird im Rahmen des Programms vor allem die Bodenausrüstung für die CH-53K (Dreibockheber, Achsenheber und Schleppstangen), die Entwicklung und Wartung herstellergebundener Werkzeuge sowie die Dokumentation und Ausbildung für das entsprechende Equipment übernehmen. Vor allem der HYDRO-Standort in Hamburg wird eine wichtige Rolle für die geplante Wertschöpfung in Deutschland einnehmen. Hier werden Werkzeuge gemäß europäischen CE-Richtlinien gefertigt.