SPA-Hotel-Bad-Sarvar„Ewige Jugend“ titelte Leopold von Sacher-Masoch seine Novelle, die er 1886 über Erzsébet Báthory schrieb. Er griff das Thema als Erster auf, das inzwischen regelmäßig verfilmt wird. Auf der Berlinade 2009 erlebte ihre Lebensgeschichte als Nádasdy-Schlossherrin mit dem Titel „Die Gräfin“ eine weitere Premiere, nachdem nur zwei Jahre zuvor Christopher Lambert die Hauptrolle in „Metamorphosis“ spielte. Es geht um die legendäre „Blutgräfin“ aus Sárvár, die ein Opfer politischer Intrige der katholischen Habsburger wurde, die damals gegen die evangelischen Báthorys im Geist der Gegenreformation kämpften. Lázló Turóczi, ein Jesuit, ist verantwortlich für den inzwischen legendären Filmstoff: „Báthory habe beim Foltern eines Mädchens einige Blutspritzer abbekommen und auf der befleckten Stelle eine deutliche Verjüngung ihrer Haut verspürt. Sie entschloss sich daher, Mädchen zu töten und in deren Blut zu baden, um ihre Haut jugendlich und attraktiv zu erhalten“.

Blutbrünstig ist heutzutage nicht mehr das Mittel zur ewigen Jugend, allerdings ermöglicht Bad Sárvár weiterhin seinen Gästen, jugendlich und attraktiv zu bleiben. Die kleine Kurstadt bietet die Seltenheit verschiedener Heilwasserquellen, die Erdölsucher
bei Bohrungen erst 1961 gefunden haben. Zum einen ist es das 46 Grad warme Heilwasser mit Alkali-Hydrogenkarbonatgehalt.
Eine weitere Quelle liefert reiches salzhaltiges Heilwasser von 83 Grad, dessen wichtigste Komponenten Natriumchlorid, Jod, Brom, Fluor und weitere Spurenelemente sind. Ursprünglich wurde durch Abdampfen der berühmte Sárvár Thermalkristall gewonnen; weil das Verfahren aber zu aufwendig war, wurde es inzwischen eingestellt.
Dafür bietet das SPIRIT-Hotel ab Jahresbeginn 2010 dieses Heilwasser, das die Qualität des Wassers aus dem Toten Meer hat, seinen Gästen zur Kuranwendung an. Alfred Hackl (47), der SPIRIT-Hoteldirektor nennt das neue Wasser „ein kleines Wundermittel, weil Menschen mit Neurodermitis innerhalb von zwei Tagen (!) beschwerdefrei sind“. Es wirkt bei dermatologischen Erkrankungen, Komplikationen mit dem Bewegungsapparat und gynäkologischen Beschwerden. Schon vor fünf Jahren wurde Bad Sárvár vom Europäischen Bäderverband deshalb in die Liste der „Royal Spas de Europe“ aufgenommen.

Das neue Fünf-Sterne-SPIRIT-Hotel Medical Spa in Bad Sárvár, das im Frühjahr 2008 unter der Regie des namhaften Hoteliers Alfred Hackl (47) eröffnet wurde, gilt als außergewöhnlichste SPA-Adresse des Landes. Inzwischen zählt es zu den 25 schönsten
Newcomer-SPA-Oasen Europas und wurde außerdem in diesem Jahr als bestes SPA- und Konferenzhotel in Ungarn ausgezeichnet.
Zum „SPIRIT“, also dem Geist des gleichnamigen Hauses, gehört auch die eigene Heilquelle, die das Wasser aus 1.056 Meter und mit einer Temperatur von 46 Grad Celsius an die Oberfläche bringt. Alle elf Heilwasserbecken – von insgesamt 22 Becken – werden täglich mit dem Heilwasser gefüllt, das natürlich frei von jeglichen chemischen Zusätzen ist (siehe auch HHK 06/09 – Fünf-Sterne-SPIRIT-Hotel Thermal Spa in Bad Sárvár).

Wer eine Bäderreise ins Land der Magyaren plant, sollte sich dafür viel Zeit nehmen. Denn es gibt kaum einen Ort, der weiter als 50 Kilometer vom nächsten Thermalbad entfernt liegt. 1.000 heiße Quellen, 180 Quellen mit Heilwasser und 190 anerkannte Mineralwässer sind im lediglich 93.030 Quadratkilometer großen Land bekannt.

Kurz vor Budapest macht die Donau, auf dem Weg zum Schwarzen Meer, einen kühnen Knick gen Süden. Transdanubien, das Land jenseits der Donau, nennen die Ungarn den Westen ihres Landes. Dort reihen sich Thermal- und Heilbäder wie Perlen einer
Kette aneinander. Ob in Transdanubien, in Budapest und in der kleinen Tiefebene, in der Hortobágy-Puzsta oder im nördlichen Mittelgebirge, über 400 Badeorte und Kureinrichtungen verwöhnen ihre Gäste.

Die ersten Bäder haben die Römer gebaut, und als im 16. Jahrhundert die türkischen Osmanen große Teile des Landeseroberten, entstanden neuartige, zauberhafte Etablissements: Das legendäre türkische Bad, ein Labsal für Körper und Geist. No. 1 der türkischen Bäder in Ungarn ist seit einem Jahr das Hamam im SPIRIT-Hotel in Bad Sárvár.

In der ungarischen Geschichte spielt Bad Sárvár mit 15.600 Einwohnern, als kleine Kurstadt zwischen Wien und dem Balaton, mit der fünfeckigen Festung Nádasdy – einer der wenigen Wasserburgen des Magyaren-Reiches – eine bedeutende Rolle.

Unter den Nádasdy wurde Sárvár im 15. Jahrhundert zu einem Zentrum der ungarischen Kultur. 1539 erschienen dort die ersten Bücher in ungarischer Sprache: Das Neue Testament und eine lateinisch-ungarische Grammatik von János Sylvester. Der Prunksaal, mit frühbarocken Stuckaturen, einem Deckengemälde, das Schlachten gegen die Türken zeigt und die Seitenwände mit Szenen aus dem Alten Testament, ist eine Augenweide. Sárvár blühte im 17. Jahrhundert als fortschrittliches Zentrum des Humanismus und der Reformation auf. Die letzten Besitzer des Burgschlosses, das in der Ortsmitte liegt, waren die Wittelsbacher. 1921 starb Ludwig III, der letzte bayerische König, dort im Exil. Ludwigs Leidenschaft war auch nach der Thronbesteigung 1913 die Landwirtschaft geblieben, weshalb er auch unter der „Millibauer“ (hochdeutsch: Milchbauer) in die Geschichte einging. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört neben der Burganlage das Arboretum, ein Park mit einem sehr alten Baumbestand; von dem einige der Eschen und Stieleichen 300 bis 400 Jahre alt sind. Das internationale Husarentreffen in der ersten Septemberhälfte und im Oktober das Kürbisfestival sind zwei Höhepunkte des jährlichen Kulturprogramms. Nur acht Kilometer außerhalb von Bad Sárvár befindet sich in Ostffyasszonyfa der Pannonia-Ring, eine der bekanntesten Motorradrennstrecken Europas. So außergewöhnlich wie die Üppigkeit des Heilwasservorkommens ist auch das Zentrum des Tourismus, der Balaton. Im deutschen bekannter als Plattensee, ist er in bizarre Vulkankegel eingebettet und nur einen Tagesausflug von Bad Sárvár entfernt. Europas größtes Binnengewässer – der Bodensee ist fast 60 Quadratkilometer kleiner – hat etwas Kurioses an sich: Trotz einer Uferlänge von 200 Kilometer ist das Gewässer nur an wenigen Stellen tiefer als drei Meter. Ein typischer Steppensee, von den Ungarn heiß geliebt als ihr „Meer“.

Dr. Dénes Tibor, Bürgermeister von Bad Sárvár, beschreibt das 16.000 Einwohner-Städtchen in kurzen Sätzen: „Unsere Stadt hat viele Gesichter und eine vielfältige, reiche Vergangenheit.

Im Laufe der mehr als tausendjährigen Geschichte haben unsere Vorfahren zahlreiche handfeste und durch die Kultur bewahrte Werte hier angehäuft. Die Pfeiler der Zukunft, die sich rasch entwickelnde Geschäftswelt und der Heiltourismus, können auf sichere und breite Grundlagen gestellt werden“. Seit Ungarn EU-Mitglied ist, zahlen deutsche Krankenkassen an ihre Versicherten auch einen Zuschuss, sofern vor der Reise ein ärztlich begründeter Antrag bei der Kasse vorgelegt wird.

Da können Bundeswehr-SoldatInnen in optimaler Weise die Gesundheitsvorsorge mit einem Wellness-Urlaub verbinden. Die medizinischen Dienstleistungen sind in Ungarn oft preiswerter als bei uns. Zahnmedizin nimmt – nebenbei bemerkt – was die Kosten betrifft, eine besonders kostengünstige Rolle ein. Und in Bad Sárvár gibt es etliche gute Zahnärzte.

Autor und Fotos: Ludwig Mario Niedermeier/MN-InfoText