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Hardthöhenkurier 2/2015 Leseprobe

Abbildung 1: Teamtrainer Schiffslazarett im Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine. Vom Teamtrainer zum Lernlabor Der Simulator Schiffslazarett im Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine Dr. Lutz Nolde, Schifffahrtmedizinisches Institut der Marine Fehler können tödlich sein – diese Erkenntnis führte in der Luftfahrt in der 80er Jahren zu Konzepten der Fehlervermeidung. Als eine der Hauptursachen für unzureichende Bewältigung von unvermeidlich auftretenden Fehlern wurde neben dem Leistungsvermögen und den Leistungsgrenzen des Einzelnen die Kommunikation im Team identifiziert. Seit 1989 wird auch in der Medizin, ausgehend von der Anästhesiologie und Notallmedizin, über Fehler und Methoden zu ihrer Vermeidung diskutiert. In der Bundeswehr eingeführt wurde das Konzept CRM – Crew Resource Management mit dem Konzept der Luftwaffe für Human Performance and Limitations und Crew Resource Management für den Flugbetrieb in der Bundeswehr 2006. Die Marine folgte mit dem „Befehl Nr. 1 zur Implementierung des Crew Resource Management (CRM) im Bereich der Flotte“ im April 2009. „Sehen Sie, wie Sie dieses Kit geöffnet haben?“ fragt Flottillenarzt Dr. W., der Ausbilder im Teamtrainer Schiffslazarett, während die Trainingsteilnehmer gebannt auf die große Leinwand schauen. Hier werden die Aufnahmen des vorangegangenen notfallmedizinischen Trainings ausgewertet. „Und was hast Du hier gesagt? Das hat der Maat ja gar nicht verstehen können.“ ergänzt Oberbootsmann S. Sie ist Lehrgangsteilnehmer und hat ihre Kameraden bei deren Szenario beobachtet. Auf dem Gelände des Schifffahrt- medizinischen Institutes der Marine (SchiffMedInstM) befindet sich schon seit 2006 in einem eigenen Gebäude der Teamtrainer Schiffslazarett (Abbildung 1). Hier werden seit mehr als zehn Jahren die sanitätsdienstlichen Teams des Bordsanitätsdienstes und der Spezial- kräfte der Marine als Teil des Einsatzausbildungsprogramms (EAP) der jeweiligen Einheiten mit CRM vertraut gemacht. Als herausfordernde Situation werden hierbei notfallmedizinische Fallbeispiele aus der schiffsärztlichen Praxis dargestellt und das Teamtraining so gleichzeitig zum Erhalt der rettungs- medizinischen Fähigkeiten des Sanitätspersonals und des an Bord zugeordneten Sanitätshilfspersonals genutzt. Nach einer Einführung werden verschiedene Situa- tionen durch unterschiedliche Teams durchgespielt, die durch Ausbilder und die übrigen Teilnehmer sowohl durch Kameras wie von einer umlaufenden Galerie aus beobachtet werden können. Das Team selbst arbeitet in einer nach Gestaltung und technischer Ausstattung dem Behandlungsraum eines Schiffslazarettes nachempfundenen Umgebung. Am 19. September 2014 wurde die Verlegung des Schifffahrtmedizinischen Institutes der Marine von Kronshagen auf das Gelände des Bundeswehrkranken- hauses Hamburg als Änderung zur Stationierungsentscheidung gebilligt. Diese Entscheidung war Anlass genug, die Rahmenbedingungen im Bereich der Ausbildung des Sanitätspersonals der Marine zu prüfen und die Weiterentwicklung auch des Teamtrainers Schiffslazarett fortzuführen. Das Sanitätspersonal der Marine absolviert die Grund- und Fachausbildung in der Regel im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr. Die zukünftigen Schiffs- und Geschwaderärzte und das medizinische Assistenzpersonal erhalten die weitere Ausbildung zur Vorbereitung auf den Einsatz an Bord dann am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine. Die Neuordnung der Ausbildung von Sanitätspersonal des Marinesanitätsdienstes erfordert eine Anpassung der Ausbildungseinrichtungen, um Qualifizierung und Zertifizierung unter einsatznahen und realistischen Bedingungen zu ermög- lichen (Abbildung 2). Die mit der Neuordnung verbundene Modularisierung und Rationalisierung der Ausbildung führt bei insgesamt verkürzter Dauer der Ausbildung zu weniger Zeiträumen, die für die Ableistung von Praktika an Bord zur Verfügung stehen. Die Nutzung eines Simulators ist hier ein gangbarer Weg, um trotzdem eine auf die zukünftigen Aufgaben abgestimmte Ausbildung zu erreichen. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, den Teamtrainer Schiffs- lazarett weiterzuentwickeln. Die zunehmende Zahl an Einsatzverpflich- tungen, die in der Deutschen Marine wie auch bei den Verbündeten abnehmende Zahl an Einheiten sowie der operative Charakter der heutigen Einsätze erlauben es nicht mehr, eine umfassende, das gesamte Aufgabenspektrum abdeckende einsatznahe Aus- und Fortbildung des Sanitätspersonals in See durchzuführen. Neuentwicklungen, wie zum Beispiel die Fregatte Klasse F125, verwirklichen neue Konzepte wie Intensivnutzung und Mehrbesatzungen. Diese haben in ein- satzfreien Phasen zu Ausbildungszwecken keinen hinreichenden Zugriff auf eine Plattform mehr. Im Rahmen der beabsichtigten Intensivnutzung muss das Sani- tätspersonal als Teil einer Besatzung auch ihre Einsatzausbildung vollständig im Heimatland absolvieren, um anschließend ihre Station und ihre Aufgaben im Einsatzgebiet übernehmen und den Einsatz fortführen zu können. Die dafür erforderliche realitätsnahe Abbildung der Marine 90 Teamtrainer Schiffslazarett für die einsatznahe Ausbildung HHK 2/2015


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