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HHK-4-2012

Gastbeitrag Gasteditorial zahlreich entwickelten klugen und guten Konzepte. Als neuer Inspekteur stelle ich mich dieser Herausforderung mit dem nötigen Respekt, aber auch dem festen Willen, die Neuausrichtung unserer Luftwaffe zum Erfolg zu führen. Dabei spielt zunächst natürlich die Ausrüstung eine große Rolle. Die Mehrrollenfähigkeit des EUROFIGHTER, die Produktverbesserung ASSTA 3 des TORNADO, die künftige Ausrüstung unserer bodengebundenen Luftverteidigung einschließlich der Fähigkeit zur Raketenabwehr, die Einführung des neuen Transportflugzeuges A400M sowie unbemannter Luftfahrzeuge mit möglichst flexiblen, modularen Nutzlasten stellen für die Neuausrichtung wesentliche Projekte dar. Aber auch die Übernahme der Hubschrauber vom Typ CH-53 des Heeres ist solch ein Schlüsselprojekt. Damit wird der strategische, operative und taktische Lufttransport in der Luftwaffe gebündelt, um streit- kräftegemeinsame Operationen optimal „aus einer Hand“ unterstützen zu können. Die Zusammenarbeit mit den anderen Teilstreitkräften und militärischen Organisationsbereichen muss dazu konsequent weiter verbessert werden. Die Luftwaffe versteht sich dabei auch konzeptionell unter dem Begriff „Air Surface Integration“ als Vorreiter. Eine an den Erfordernissen künftiger Ein- sätze orientierte, zeitgerecht verfügbare und einsatzreife Ausrüstung ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist dagegen die noch wichtigere und wertvollste: unsere Soldatinnen und Soldaten in Luftwaffenuniform sowie unsere zivilen Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter. Sie liegen mir ganz besonders am Herzen. Sie sind die Seele unserer Luftwaffe. Sie sind die Garanten dessen, was wir gerne „Air Power“ nennen. Sie sind diejenigen, die durch ihren persönlichen Einsatz, durch ihren bewundernswerten Leistungswillen und ihren ausgeprägten Teamgeist die Fähigkeiten und die Einsatzbereitschaft unserer Luftwaffe erst möglich machen. Ihnen gilt mein ganzes Augenmerk. Ich möchte daher diese Gelegenheit gerne nutzen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Luftwaffe für ihre äußerst anerkennenswerte Arbeit an der konzeptionellen Neuausrichtung unserer Luftwaffe in den letzten beiden Jahren ausdrücklich zu danken. Der damit verbundene Kraftaufwand war erheblich und hat manchen an die Grenzen seiner Belastbarkeit geführt. Dass sie alle unermüdlich und von der Notwendigkeit der Veränderung überzeugt an der Zukunft unserer Luftwaffe mitgearbeitet haben, verdient mein besonderes und öffentlich ausgesprochenes Lob. Sie können auf das gute Ergebnis zu Recht stolz sein. Wenn ich die Menschen in unserer Luftwaffe im Mittelpunkt meiner Aufgaben an der Spitze der Luftwaffe sehe, dann liegen mir vor allem folgende Themen am Herzen: die Stärkung des Selbstverständnisses und der Identität im Team Luftwaffe als Voraussetzung für streitkräftegemeinsames und multinationales Zusammenwirken; die Neuausrichtung von Erziehung und Ausbildung auf die Erfordernisse einer Freiwilligenarmee und Luftwaffe im Einsatz; die Ver- besserung der Berufszufriedenheit durch Zusammenführen von Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung; die gleichzeitige Stärkung des auch im Einsatz bewährten Prinzips „Führen mit Auftrag“ sowie die Entwicklung eines vertrauensvollen Dialogs über alle Ebenen hinweg. Dabei kommt es mir in den vor uns liegenden Zeiten großer Veränderun- gen insbesondere darauf an, an den dienstlichen und Einsatzerfordernissen unserer Luftwaffe orientierte, zugleich aber bestmögliche, einvernehmliche und die individuellen Lebensplanungen berücksichtigende Lösungen für die anstehenden Struktur- und Personalmaßnahmen zu finden. Dies verstehe ich nicht nur als meine vordringliche Führungsaufgabe, sondern als die Aufgabe aller Vorgesetzten in der Luftwaffe. Ziel des von mir angestrebten Dialogs ist es, das Vertrauen und die Zuver- sicht in die Neuausrichtung unserer Luftwaffe zu stärken. Ich würde mich freuen, wenn es mir gelänge, bei möglichst allen Angehörigen der Luftwaffe nicht nur die erforderliche Einsicht zur Neuausrichtung zu wecken, sondern die uneingeschränkte Bereitschaft zum persönlichen, aktiven Engagement für deren Umsetzung. Kurz gesagt: Alle im Team Luftwaffe sollen nicht nur müssen, sondern vor allem wollen! Liebe Leserinnen und Leser, ich bin davon überzeugt, das Team Luftwaffe wird alles dafür tun, die anstehenden Veränderungen gemeinsam und er- folgreich zu bewältigen, um eine neu ausgerichtete, zukunftsfähige Luft- waffe aufzubauen. Auch wenn der Stab des Inspekteurs der Luftwaffe Anfang Oktober 2012 die Hardthöhe ver- lassen wird, würden wir uns sehr darüber freuen, wenn Sie als Freunde unserer Luftwaffe, zumindest aber als interessierte und wohlgesonnene Mitbürger, unseren Weg in den nächsten Jahren unterstützend begleiten würden. Im Voraus meinen herzlichen Dank dafür! Mit freundlichen Grüßen Generalleutnant Karl Müllner Inspekteur der Luftwaffe HHK 4/2012 7


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