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HHK-4-2012

Service 137 Buchrezensionen Die Grenzschlacht – Die Operationsführung der Roten Armee ab Juni 1941 Thomas Kühn/Ralf Hoffmann, Die Grenzschlacht – die Operationsführung der Roten Armee ab Juni 1941, Helios Verlag, Aachen 2011, ISBN 978-3-86933-058-7, 334 Seiten, Karten- und Fototeil, Quellen- und Literaturverzeichnis, Anmerkungen nach Kapiteln. 1941 war die Rote Armee (= Sowjetische Streitkräfte) die stärkste Armee Europas. Diese Stärke hätte ausreichen müssen, um einen Gegner wie die Wehrmacht bereits grenznah abwehren zu können. Stattdessen wird sie von der zahlenmäßig unterlegenen Wehrmacht in Grenzgefechten geschlagen und kann erst in der Tiefe des eigenen Raumes langsam die Initiative wieder ergreifen. Ein aufopferungsvolles „Zurückkämpfen“ beginnt, das erst 1945 mit dem Sieg über die Wehrmacht endet. In der Studie, bestehend aus zwei „Büchern“, zusammengefasst in einer Buchausgabe, wird untersucht, nach welchen militärstrategischen und operativen Konzepten die Rote Armee im Zeitraum 1938 – 1941 aufgebaut, strukturiert, ausgerüstet und 1941 diszloziert wurde (1. Buch) und warum es der Wehrmacht gelingen konnte, 1941 große Teile der Roten Armee in den Grenzschlachten zu zerschlagen (2. Buch). Die Rote Armee war für eine Verteidigung des Landes unzweckmäßig aufgestellt. Die Vorbereitungen für einen Krieg waren nicht abgeschlossen. Es konnte anfänglich operativ nur bedingt geführt werden. Die Absicht, die Rote Armee offensiv gegliedert aufmarschieren zu lassen, um bei einem Angriff in den Gegner hinein angreifen zu können, wurde zum Verhängnis – so die Botschaft der Autoren, die sich damit auch mit bisherigen Theorien, wer wen zuerst angreifen wollte, auseinandersetzen. Das Werk stützt sich auf deutsche und russische Quellen ab, diskutiert unterschiedliche historische Betrachtungen zur Verteidigung der Sowjetunion im Jahre 1941 und stellt vor allem detailliert die operativen und taktischen Strukturen, ihre Staffelung und Operationen dar. Damit handelt es sich um mehr als nur ein weiteres Werk zum Krieg in Russland 1941/42, sondern um eine Aufarbeitung dieses Abschnittes des Zweiten Weltkrieges. Ein bemerkenswertes Werk, verständlich und sachlich geschrieben. Es verdient einem breiten Leserkreis und besonders unseren Lesern empfohlen zu werden. Aspekten beim Suchen, Bergen und Sichern von Boden- funden. Der Fundort, die Lage eines Objektes, individuelle Gebrauchsspuren, Schadensbilder und Fundbeigaben sind Bausteine der Brücke, die zu Erkenntnissen über die individuelle Geschichte des militärhistorischen Sachzeugen führt. Für die Praxis der Militärarcheologie sind die Ausführungen über die gesetzlichen Rahmenbedingungen und technischen Verfahren von besonderer Bedeutung. Veranschaulicht wird die militärarchäologische Vorgehensweise durch Exponats- geschichten von Großgerät und Ausrüstung des Zweiten Weltkrieges. Eine Festungs-Pak, eine Sturmhaubitze und ein Bunker sind die dargestellten Fallbeispiele. Roland Größner geht die Thematik als Restaurator an. Er befasst sich unter anderem mit der Bergung und Restaurierung eines sowjetischen Schlachtflugzeuges, eines Rolls-Royce- Flugmotors von einem abgestürzten britischen Bomber sowie Bergung und Teilrestaurierung eines Rumpfstückes einer Focke Wulf Fw 200 Condor. Horst Schuh greift die menschliche Dimension des Kriegsgeschehens auf und beschreibt die Spurensuche nach zwei vermissten Fliegerschicksalen, eines amerikanischen und eines deutschen Jagdpiloten. Aus seinen Ausführungen wird deutlich, welche Auswirkungen der Krieg als kollektiver Gewaltakt auf ein Einzelschicksal hat und das Leben der betroffenen Familienangehörigen nachhaltig beeinflusst wird. Für sie ist der Krieg noch lange nicht zu Ende. Ein sehr interessanten Werk, das sich vor allem an haupt- und ehren- amtliche Historiker, Chronisten, Hobbyarchäologen wendet und zugleich ein einzigartiges Nachschlagewerk darstellt. Das Buch wird unseren Lesern besonders empfohlen. Militärarchäologie des Zweiten Weltkrieges, Basiswissen und Episoden der militärhistorischen Feldforschung Wolfgang Fleischer/Ronald Größner/Horst Schuh, Militär- archäologie des Zweiten Weltkrieges, Basiswissen und Episoden der militärhistorischen Feldforschung, Helios Verlag, Aachen 2011, ISBN 9-78369–330525, 123 Seiten mit über 200 Abbildungen, durchgehend illustriert. Was gibt der Boden preis, wenn man ihn nach kriegshistorischen Spuren untersucht? Dies war die Ausgangsfrage, der die Autoren mit unterschiedlicher Zielsetzung nachgingen: Wolfgang Fleischer widmet sich aus der Sicht des Wissenschaftlers und Museumsfachmanns den grundsätzlichen Ich kämpf’ mich zu dir durch, mein Schatz. Briefe von der Heimatfront 2000- 2010 Katrin Schwarz (Hrsg.), Ich kämpf’ mich zu dir durch, mein Schatz. Briefe von der Heimatfront 2000-2010, Adatia Verlag, Sankt Augustin 2011, ISBN 978-3-940461-16-2, 175 Seiten. Die Autorin wollte wissen, was Frauen, Schwestern und Müttern ihren Briefen anvertrauen, wenn der Empfänger als Bundeswehrsoldat in Afghanistan, im Kosovo oder vor Somalia im Einsatz ist. Aus einer Auswahl von über 200 Briefen erzählt ihr Buch von den Sorgen, Sehnsüchten und dem Alltag der „Soldatenfrauen bzw. Soldatenmütter“. Die Briefe geben einen tiefen Einblick in die Gefühle derer, die zu Hause bleiben, wenn der Soldat ins Ausland geschickt wird. Man erkennt, sie stehen hinter ihm, egal wo er ist und wie es ihnen selbst ergeht. Das Buch bietet eine einmalige Gelegenheit, Empfindungen, die heute in der Heimat von Ehefrauen, Schwestern und Müttern kommuniziert werden, zu erfahren. Auch eine Anregung für diejenigen, die nicht so richtig wissen, was sie per E-Mail oder Brief ihrem Angehörigen im Einsatz schreiben sollen. HHK 4/2012


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