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HHK-4-2012

Preisausschreiben Service Abenteuer mit heißer Luft Ballonfahren mit Österreichs erster Pilotin 134 Ballonfahren im Tiroler Kaiserwinkl Mich plagt nach der „Lust am Abenteuer“, so titelt Jean Becker auch ein Kapitel seines „Heißluftballon-Bestsellers“, seit Wochen immer noch das schlechte Gewissen. Schuld daran ist ein Riss in der nagelneuen „Schartner Bombe“. Irmgard Moser aus Kössen im Tiroler Kaiserwinkl hatte nach unserem gemeinsamen „Abheben“ vermutlich Stress, um weiterhin ihrem Hobby und Beruf nachgehen zu können. Irmgard, die 46 jährige Pilotin, Küchenchefin im Landeskranken- haus Maria Zell, hat vor knapp zwanzig Jahren ihre Liebe zum Ballonsport entdeckt und eine einjährige Ausbildung zur ersten österreichischen Ballonfahrerin absolviert. Inzwischen arbeitet die sympathische Frau für das Ballon-Unternehmen Ballooning Tyrol. In der Männer-Domäne des Ballonsports ist die Tirolerin von der Verfolgerin im Begleitauto zur stellvertretenden Chefin aufgestiegen. Wer in der Alpenrepublik die Laufbahn einer Ballonfahrerin anstrebt, muss mit einem ärztlichen Zeugnis seine Flugtauglich- keit beweisen und ein Führungszeugnis vorlegen, danach steht einer Ausbildung nichts mehr im Weg. Neben dem nötigen Theoriewissen über Meteorologie, Luftrecht oder Erster Hilfe sind mindestens zehn Ausbildungsfahrten nötig, um zur Ballon- fahrer-Prüfung antreten zu dürfen. „Wichtig ist es, alle Jahres- zeiten und Wetterbedingungen genau zu kennen, weil ein Ballon nur bei passender Wetterlage gestartet werden kann. Danach braucht man(n) oder Frau aber jede Menge Erfahrung, um in der Luft bestehen zu können, erzählt mir Irmgard, während wir bei strahlend blauem Himmel langsam, aber sicher abheben. Mittlerweile hat die wagemutige Pilotin mehr als tausend Stunden Ballonfahrt hinter sich und ist damit die aktivste „Frau der Lüfte“ in Österreich. „Außer mir gibt es nur vier oder fünf Pilotinnen, aber ich bin die einzige Alpenpilotin“. Die größte Herausforderung in Irmgard Mosers zweiter Karriere war die Ballonfahrt über den Alpenhauptkamm nach Venedig. Werbung in eigener Sache – der Kaiserwinkl Ballon. „Wer sich dieser Herausforderung stellt, wird mit einem atemberaubenden Blick auf die Alpen belohnt“. Wir – eine Journalistengruppe in fünf Ballonkörben – „fuhren“ nicht über die Alpen, aber entlang der Nordseite. In der warmen Jahreszeit trifft man sich um sechs Uhr oder noch früher, um den „Luftangriff“ auf die steinernen Hoheiten Zahmer und Wilder Kaiser zu wagen. Doch einfach zum Startplatz fahren, in den Korb steigen und los geht es, nein, so einfach ist die Angelegenheit nicht. Erst einmal heißt es den Startplatz aufräumen – Kuhfladen von der grünen Wiese entfernen, den Ballon auslegen und den Korb vom Hänger wuchten. „Woast wos, i leb a gean“, sagt Irmgard in bestem tirolerisch, während wir immer höher in den Himmel aufsteigen. Sie zeigt dabei ihr Können. Im ständigen Funkgespräch mit den begleitenden vier Ballonen findet sie stets die beste Windströmung und stolz blicken wir auf die begleitenden Ballons runter und die wundervolle Landschaft des Kaiserwinkls. „Wettervorhersagen, das Verhalten der Mitfahrenden und vor allem den Wind darfst du da oben nie aus den Augen verlieren“, erzählt sie mir. Wie gesagt: Vor allem der Wind ist es, der so manche Überraschungen mit sich bringt. „Früher kam er eigentlich fast nur aus dem Westen oder Norden. Inzwischen haben wir ganz oft aggressiven Ostwind“, berichtet die Pilotin über den Klimawechsel. „Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ein angepeiltes Ziel außer Reichweite liegt. Hauptsache, die Landung gelingt. Das kann dann auf einem Golfplatz oder einem Friedhof sein“. Wir sind auf der richtigen Luftstraße unterwegs, haben aber später beim „Einparken“ ein kleines Problem – die elektrische Abgrenzung einer Rinderweide. Groß und klein fasziniert die Ballonfahrt, was den endlosen Enthusiasmus der Sponsoren erklärt, die Heißluftballone finanzieren und bewerben. Ich bin mit der neuesten „Schartner Bombe“, einem Ballon, der vom Korbboden bis zur Ballon- Oberhaut knapp 40 Meter misst, unterwegs. Die „Schartner Bombe“ gibt es seit achtzig Jahren und Ludmilla Starzinger, Einstieg zur Ballonfahrt. HHK 4/2012


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