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HHK-4-2012

Luftwaffe Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung 72 Die „Graue Flotte“ Rund 50% der Einsätze der Flugbereitschaft sind rein militärisch und werden durch das Europäische Lufttransportkommando EATC (European Air Transport Command) in Eindhoven vorbe- reitet und gesteuert. Zu den Kernaufgaben der Flugbereitschaft BMVg gehören strategische Air MedEvac sowie Fracht- als auch Personenflüge vom und ins Einsatzgebiet. Eine weitere Kernfähigkeit ist die Bereitstellung von Luftbetankungskapazitäten. Zur Erfüllung dieser Aufträge wurden in den Jahren 1996 bis 1998 vier weitere zu den bereits bestehenden drei Airbus A310-300 beschafft. Diese, von der Unmanned Deutschen Aerial Lufthansa System HERON stammenden 1 Maschinen,im Einsatz in wurden Afghanistan. in den Folgejahren (Foto:1998- Rheinmetall 2001) schrittweise zum MRT (Multi Role Transport) umgerüstet. Die Gewährleistung der ständigen Forde- rung eines MedEvac in 24h Bereitschaft wird durch Bereitstellung eines MRT am Standort Köln/Bonn in der Rüstversion MedEvac sowie einer einsatzbereiten Crew nachgekommen. Dieser Rüstsatz beinhaltet sechs Intensivstationen in Form von PTE´s (Personen Transport Einheiten) sowie weitere 38 Liegeplätze. Die medizinische Versorgung an Bord wird durch ein, aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland zusammengezogenes, spezialisiertes Ärzteteam, unter Leitung eines Medical Directors gewährleistet. Die Möglichkeit zur Aufnahme von 214 Soldaten und diese über weite Strecken schnell und sicher zu verlegen, stellt eine weitere effiziente Fähigkeit der Flugbereitschaft dar. Die Umrüstbarkeit auf eine vollständige Cargo Version ergänzt die Vielseitigkeit des MRT. Der MRT wurde weiterentwickelt und im Jahr 2009 erhielt die Flugbereitschaft BMVg eine weitere militärische Kernaufgabe mit der Fähigkeitserweiterung „Luftbetankung“. MRTT (Multi Role Transport Tanker) ist seither die Kennzeichnung des Airbus A310 der Luftwaffe. Mit Hilfe zweier, beidseitig unter den Tragflächen positionierter Air-to-Air Refuelling Pods, ist der Airbus in der Lage, zertifizierte Luftfahrzeuge, mit Hilfe von Probe and Drogue Technik in der Luft zu betanken. Diese Fähigkeit komplettiert die Viel- seitigkeit der Airbus A310 Flotte, sowie das Einsatzspektrum der Luftwaffe. Darüber hinaus steht der Luftwaffe bis hin zur vollständigen Konfiguration der neuen „Weißen Flotte“ ein Airbus A310-300 in der VIP Version zur Verfügung. Die 10+21 unterstützt bis dahin weiter zuverlässig die Ihr anvertrauten Aufgaben des parla- mentarischen Lufttransports. Autor: Oberstleutnant Peter Tönges, BMVg, Stab InspL II 4 Fotos: BMVg/Luftwaffe der Flotte der Flugbereitschaft wurde zwischen 1996 und 2000 bereinigt. Die Lufttransportkapazitäten für den politisch parlamentarischen Bereich für die Mittel- und Langstrecke konzentrierten sich nun auf sechs Flugzeuge Bombardier CHALLENGER 601 und zwei Airbus A310. Für die Kurzstrecke wurden drei Eurocopter COUGAR AS532 in Berlin- Tegel stationiert. Die neue „Weiße Flotte“ Für den parlamentarischen Lufttransport stellte die FlBschft BMVg von Beginn an eine in Kapazität und Reichweite gemischte Flotte von Transportluftfahrzeugen für die Lang-, Mittel- und Kurzstrecke bereit. Sie unterstreicht das politische Selbstverständnis der Staats- und Regierungsführung und repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland bei Besuchen im In- und Ausland. In den vergangenen Jahren führten tech- nische Beanstandungen und ein alters- und belastungsbedingt stetig steigender Wartungs- und Instandsetzungsaufwand immer häufiger zu Einschränkungen in der Verfügbarkeit der Luftfahrzeuge. Politik und Medien thematisierten wiederholt die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der FlBschft BMVg. Eine Untersuchung zur Optimierung der FlBschft BMVg mit dem Ziel, die Verfügbarkeit und Effizienz zu erhöhen, wurde durchgeführt. Dabei wurden ver- schiedenste Modelle von dem bloßen Ersatz der Luftfahrzeuge bis hin zur Vollprivatisierung im Lichte eines wirtschaftlichen Betriebes unter Einbindung externer Expertise betrachtet und bewertet. Nach Bewertung aller Kriterien wurde ein Optimiertes Eigenmodell (mili- tärischer Betrieb der Luftfahrzeuge mit umfassender industrieller Unterstützung) als das insgesamt wirtschaftlichste und leistungsfähigste identifiziert. Auf Grundlage dieser Untersuchungen wurde die „Weiße Flotte“ der Flugbereit- schaft grundlegend erneuert. Seit Ende letzten Jahres stehen nun acht moderne Luftfahrzeuge (zwei Airbus A340-300, zwei Airbus A319 CJ und vier Bombardier GLOBAL 5000) in VIP Ausstattung zur Verfügung. Einzig die 1997 eingeführten drei COUGAR AS-532 Hubschrauber wurden weiter im Dienst gehalten. Mit diesen modernen und vielseitig einsetzbaren Luftfahrzeugen neuerer Generation kann den Aspekten Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit bei gestiegener Flexibilität und größerem Einsatzspektrum uneingeschränkt Rechnung getragen werden. Die Fähigkeit zu Präzisionsanflügen unter Instrumentenflugbedingungen an jedem technisch und infrastrukturell dafür ausgestatteten militärischen oder zivilen Flughafen ist nun gegeben. Flugplanung, Flugvorbereitung und auch Flugdurchführung werden durch die Nutzung moderner elektronischer Hilfsmittel, vergleichbar denen der kommerziellen Luftfahrt, erheblich vereinfacht. Die Langstreckenluftfahrzeuge Airbus A340-300 erfüllen nach ihrer Umrüstung alle Kriterien des ermüdungsfreien Reisens und der uneingeschränkten, stabilen und sicheren Kommunikations- möglichkeiten. Zusatzeinrüstungen, wie zum Beispiel ein Freund-Feind- Kennungsgerät (IFF) und militärische Funkgeräte, runden die militärischen Erfordernisse ab. Eventuellen Be- drohungen durch Lenkflugkörper wird durch die Einrüstung von Large Aircraft Infrared Countermeasures (LAIRCM) Selbstschutzanlagen beginnend Anfang 2013 begegnet. Auch die Möglichkeit der Ein- rüstung von MedEvac- Sätzen in alle neuen Luftfahrzeuge unterstreicht die militärische Nutzungsmöglichkeit auch dieser Systeme. Nach Indienststellung des neuen Berliner Flughafen Berlin Brandenburg International wird die FlBschft BMVg die Lufttransportkapazitäten für den politisch parlamentarischen Bereich von diesem Standort heraus bereitstellen. Die rein militärischen Transportaufgaben der Flugbereitschaft werden aber weiterhin vom Flughafen Köln/Bonn durchgeführt. HHK 4/2012 Airbus A310 MRT Airbus A310 MRT in der Rüstversion MedEvac.


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