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HHK-4-2012

Das aktuelle Interview sicherzustellen, bei einem härter werdenden internationalen Wettbewerb, ist meine wichtigste Aufgabe. HHK: Die MBDA Deutschland ist das führende deutsche Lenkflugkörper- systemhaus. Wie wollen Sie Ihre Position in Deutschland langfristig sichern? Homberg: Wir haben unsere Kernfähig- keiten an unserem Hauptsitz Schroben- hausen konzentriert. Damit haben wir einen wichtigen Schritt vollzogen, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir haben jetzt alle Kompetenzen, die ein Systemhaus ausmachen, an einem Standort – Konzeption, Test, Entwicklung, Produktion, Integration und Logistik. Wir schaffen damit Synergien, um weiterhin hochwertige Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Das Know-how und die Infrastruktur im Bereich Lenkflugkörpersysteme, die wir in Schrobenhausen haben, sind in Deutschland einzigartig. Allein 60 Millio- nen Euro haben wir mit Unterstützung der MBDA-Gruppe für die Standortmodernisierung an unserem Hauptsitz Schrobenhausen investiert. Weitere 4 Millionen sind in unser Testgelände für Luftverteidigungssysteme in Freinhausen geflossen. Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Mit unseren Kompetenzen im Bereich Luftverteidigung und Raketenabwehr brauchen wir keinen Vergleich zu scheuen. Bei Laserwaffensystemen haben wir uns an die Weltspitze herangearbeitet. Viele neue Vorhaben treiben wir mit Eigenmitteln voran. KFK – ein Kleinflugkörper für den infanteristischen Einsatz und BatCat – ein Flugkörperkonzept zur präzisen Feuerunterstützung im Rahmen des Joint Fire Support sind zwei Beispiele dafür. Bei allen Neu- und Weiterentwicklungen arbeiten wir eng mit der Bundeswehr und NATO-Streitkräften zu- sammen und lassen die Einsatzerfahrungen unserer Soldaten einfließen. HHK: Brauchen wir aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage mehr europäische Zusammenarbeit im Rüstungsbereich? Homberg: Nationale Aufträge allein werden aufgrund der budgetären Engpässe die hochspezialisierte Lenkflugkörperindustrie nicht mehr auslasten können. Das trifft nicht nur die System- häuser, sondern insbesondere die kleineren und mittleren Unternehmen. Sie leiden teilweise unter existenzbedrohenden Auslastungsschwankungen. Im schlimmsten Fall gehen wichtige Technologien für die Ausrüstung der Bundeswehr verloren. Aus meiner Sicht müssen wir zwei Wege beschreiten: Erstens können wir unsere deutsche Lenkflugkörpersystemkompe- tenz langfristig nur dann erhalten, wenn wir national alle an einem Strang ziehen, vorzugsweise in dieselbe Richtung, und aufgrund der bekannten Budgetzwängen effiziente, industrielle Strukturen einrichten. Gleichzeitig brauchen wir ein politisches Bekenntnis zur deutschen Lenkflugkörperindustrie als eine strate- gisch bedeutsame Industrie. Zweitens können neue, europäische Programme helfen, strategisch bedeutsame Kompetenzen und Fähigkeiten zu erhalten und weiter zu entwickeln. Hierfür ist die MBDA Deutschland und ihre Ein- bindung in den MBDA-Konzern hervorragend aufgestellt. In Großbritannien stand man vor fünf Jahren vor ähnlichen Herausforderungen. Der britische Lösungsweg wird unter dem Titel „Team Complex Weapon“ geführt. Dies umschreibt eine partnerschaftliche Initiative des britischen Verteidigungsministeriums und der Industrie. Das Ziel ist, bei mehr Planungssicherheit und Budgeteffizienz technologische Kompetenz zu erhalten. Ein solcher Weg ist nicht notwendigerweise die präzise Vorlage für Deutschland, aber wir sollten uns intensiv mit den Erfahrungen aus dieser Form der Kooperation ausein- ander setzen. HHK: Nach den Beschlüssen auf dem NATO- Gipfel in Lissabon und Chicago wird Luftverteidigung- und Raketenabwehr in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen. Welchen Beitrag kann ihr Unternehmen für eine künftige Luftverteidigung in Deutschland leisten? Luftwaffe BatCat – ein Flugkörperkonzept zur präzisen Feuerunterstützung im Rahmen des Joint Fire Support. Homberg: Die MBDA Deutschland verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich Luftverteidigung und Flugabwehr. Es gab keine wichtigen Programme, an denen wir nicht beteiligt waren, ob PATRIOT, STINGER, ROLAND oder GEPARD. Zurzeit werden konzeptionelle Überlegungen zur zukünftigen Luftverteidigung in Deutschland angestellt. Deutschland beabsichtigt die Entwicklungsergebnisse von MEADS für eine zukünftige Luftverteidigungsarchitektur, auch im europäischen Rahmen, zu nutzen. Bei MEADS ist die MBDA Deutschland der nationale Hauptauftragnehmer. Daher wollen wir auch im Rahmen der neuen Luftverteidigungsarchitektur unsere durch MEADS gewonnenen Kompetenzen einbringen. Wir arbeiten im Rahmen der laufenden Entwicklungsarbeiten mit unseren Partnern darauf hin, dass die Technologien wie vertraglich vereinbart bis 2014 für Folgeaktivitäten zur Ver- fügung stehen. Dazu ist es auch notwendig, dass die USA die Entwicklung bis 2014 mitfinanzieren. Doch ich bin zuversichtlich, dass die USA ihren Beitrag leisten werden. HHK: Herr Homberg, herzlichen Dank für das gute Gespräch. Wir wünschen Ihnen bei der neuen Aufgabe viel Erfolg. Autor: Jürgen K.G. Rosenthal Fotos: MBDA Deutschland KFK – ein Kleinflugkörper für den infanteristischen Einsatz. HHK 4/2012 69


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