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HHK-4-2012

Streitkräftebasis Zivil-militärische Katastrophenschutzübung TERREX 2012 48 res. Der Besuch von Dr. Claudius Graf- Schelling, Regierungsrat und Chef des Departements für Justiz und Sicherheit aus dem schweizer Kanton Thurgau, sorgte in Konstanz für starkes Medieninteresse, insbesondere von schweizer Seite. Vielfach mit Leben gefüllt wurde das „K“-Katastrophenschutzmotto durch die Teilnehmer: In Krisen, die klugen Köpfe und deren Kompetenzen kennen. Dies gilt erst recht für eine trinationale Zusammenarbeit, so wie hier bei TERREX 2012. Aber auch wenn gut zusammengearbeitet wurde, beispielsweise bei der Truppengattung Pioniere, getreu dem Grundsatz, Pioniere jedweder Armee kennen sich und die Pioniere anderer Armeen, ist bei aller Gemeinsamkeit, die Kenntnis der jeweiligen Strukturen und Führungsverantwortung wichtig. Besonders, wenn es um solche Übungsdimensionen geht, wie bei TERREX 2012, wo eine Vielzahl an Info-Strängen zu koordinieren, zu bewerten und zu bearbeiten war. Als Bestätigung kristallisierte sich sowohl bei den aktiven Übungsteilnehmern als auch in der Auswerteorganisation, die Feststellung heraus, dass die Rolle der Bezirkskommandos, der BVK, als bewertende, koordinierende und schlussfolgernde Schnittstelle gestärkt wurde. Beeindruckend auch, wie effizient auf ziviler Seite gearbeitet wurde. Da ergingen klare und schnelle Prüfaufträge zur vorausschauenden Abwägung möglicher Gefahren, etwa bei einem sich bildenden Riss in einer Staumauer. Der zivile Führungsprozeß stand dem mili- tärischen in keinem Punkt nach. Sehr erwähnenswert, nach so einer arbeitsintensiven Übung, ist aus meiner Sicht ein Satz von ziviler Seite: „Es hat auch Spaß gemacht! Wir haben viel gelernt und unsere Netzwerke ausgebaut!“ Viele der engagierten, zivilen Helfer, beispielsweise in den Krisenstäben, beim DRK oder THW, sind dafür auch in ihrer Freizeit oder am Wochenende tätig. Zum Stichwort Qualitätssicherung: „Das Übungshandbuch TERREX 2012, basierend auf Grundlage des im WBK IV erarbeiteten Handbuchs ZMZ, wird erweitert werden auf ein Handbuch zur Zivil-Militärischen Zusammenarbeit zwischen Österreich, der Schweiz und Deutschland“, so mein Auftrag an meinen Stab. Auch weil künftige Übungsvorhaben nach der Einnahme neuer Strukturen weitergeführt werden, wenn auch in anderer Form. Die trinationale zivil-militärische Zusammen- arbeit wird sicherlich auch in den jetzt auf- wachsenden Landeskommandos im Süden Deutschlands künftig eine wichtige Rolle spielen, getreu dem TERREX-Motto „Hilfe kennt keine Grenzen“. Fotos: WBK IV - Süddeutschland erklärte der Innenminister die Bedeutung der länderübergreifenden Übung: „Eine Naturkatastrophe macht auch nicht an der Landesgrenze Halt!“ Die Evakuierung von Menschen aus dem Forggensee per Hubschrauber war der Höhepunkt der Übung TERREX 2012 am Hotspot Füssen. Im Tiefflug näherte sich die Bell UH-1D über dem Wasser an und zog die hilflos und erschöpft im Wasser treibenden Menschen behutsam und trotzdem zügig mittels einer Seilwinde aus dem Wasser heraus und an Bord. In Konstanz am Bodensee stellte sich fol- gendes Katastrophenszenar: Nach wochen- langen Regenfällen und durch Ostwind wurden der Hafen und die Brücken von massiven Treibholzfeldern bedroht. Auf dem Bodensee kam es zu einer Havarie eines Bodensee-Fahrgastschiffes. Verletzte mussten versorgt und evakuiert werden, nachdem an Bord ein Feuer ausgebrochen war. Dann brach auch noch ein Großfeuer aus – die Gastanks der Stadtwerke drohten zu explodieren, übrigens einem realen Szenario vor einigen Jahren nachgestellt. Und das war noch lange nicht alles: Rettungskräfte waren nur begrenzt verfügbar, weil in Bayern und Österreich gleichzeitig ähnlich gravierende Katastrophen stattfinden. Allein in Konstanz waren neben dem mit 65 zivilen und militärischen Hilfskräften besetzten Lagezentrum nahezu 400 Soldaten und 500 zivile Hilfskräfte im Einsatz. Unter Koordination des Land- kreises Konstanz wurden in Zusammenarbeit von Technischem Hilfswerk, dem Katastrophenhilfsbataillon 4 aus St. Gallen, Schweiz, der Freiwilligen Feuer- wehr und der Deutschen Lebensrettungs- Gesellschaft (DLRG) sowie dem Sanitätsdienst der Bundeswehr die eingehenden Katastrophenmeldungen gesammelt, ge- sichtet und ausgewertet. Danach erfolgen die einzelnen Aufträge für die beteiligten zivilen und militärischen Hilfskräfte. Ein gutes Bild konnten sich der Inspekteur der Streitkräftebasis, Vizeadmiral Manfred Nielson, und 30 weitere hochrangige VIP-Besucher per Hubschrauber- Besuch machen. Nicht lange musste man auf seine Antwort, auf die eher launig gemeinte Frage eines Lokaljournalisten, warten, was denn den Admiral hier an den Bodensee verschlagen habe? „Diese Katastrophenschutzübung der Superlative wollte ich mir als Vorgesetzter einfach nicht entgehen lassen, und hier werden neben den anderen Hotspots, die ich heute bereits gesehen habe, auch interessante Übungsszenarien gezeigt!“, so Admiral Nielson. Auch der Baden-Württembergische Innen- minister Gall zeigte sich beeindruckt, wie hervorragend die zivil-militärische Zusammenarbeit funktioniert. Auch für ihn ist die Trinationalität etwas Besonde- Pioniere nehmen einen Baumstamm an Steuerbordseite ihres Bootes. Trockenen Fußes setzen die Fahr- zeuge der Frei- willigen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks auf das andere Ufer über. HHK 4/2012 Der Inspekteur der Streitkräfte- basis und der Innenminister von Baden-Württemberg beobachten die Hilfseinsätze.


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