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HHK-4-2012

Streitkräftebasis Wetterbeobachtung und Wetterberatung im ISAF-Einsatz in Afghanistan 46 Vorhersagezentrale des AGeoBw als Ergänzung hilfreich sein können, eine fundierte Flugwetterberatung durch den Berater vor Ort im Einsatz können sie jedoch nicht ersetzen. Zusammenfassung und Ausblick In diesem Beitrag wurde gezeigt, welche Herausforderungen bei der Wetterberatung und Wetterbeobachtung im Einsatz auf das Personal, welches vor Ort eingesetzt ist, zukommen. Optimierungsbedarf besteht vor allem im Bereich der Vorhersageverfahren/- methoden für die unbemannten Luftfahrzeuge insbesondere HERON, LUNA und KZO. Besonders bei winterlichen und vereisungsträchtigen Wetterlagen mit entsprechenden Niederschlägen und/oder Wolkenuntergrenzen hat sich gezeigt, dass die Effekte zwar ähnlich wie in Deutschland sind, spezielle klimatische Bedingungen des Einsatzlandes jedoch nicht oder nur zu ungenau erfasst und berücksichtigt werden. Hier ist es notwendig, den Beratern optimierte Vorhersagemethoden zum Beispiel in Form von Modellen oder kleinen Tools an die Hand zu geben, um die Beratung in diesem Bereich weiter zu entwickeln und zu verbessern. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit mit dem HERON-Personal notwendig, um Erfahrungswerte zu sammeln und auszutauschen. Die Schwierigkeiten bei der Niederschlagsprognose wurden hinreichend diskutiert. Darüber hinaus sollten die Modellergebnisse im Bereich der Tempe- raturprognose (Maximum/Minimum) ver- bessert werden, da hier vor allem in den Sommermonaten große Differenzen zur Realität beobachtet werden, was zumindest teilweise an dem stark vereinfachten Geländemodell liegt. Insbesondere während der Sommermonate ist die zu erwartende Maximaltemperatur der limitierende Faktor für den Einsatz einiger Waffensysteme, wie zum Beispiel Hubschrauber in Verbindung mit extrem geringer Luftdichte. Abschließend kann konstatiert werden, dass sich die Wetterberatung und die Wetterbeobachtung in Afghanistan deutlich von der gewohnten Arbeit in Deutschland unterscheiden. Die Vielzahl der unterschiedlichen Aufgaben und Bedarfsträger ist einerseits eine ständige Herausforderung, andererseits jedoch macht sie die Arbeit höchst HHK 4/2012 interessant. Autorenteam: Oberstleutnant Danny Daniel, Oberleutnant Danny Abschlag und Hauptfeldwebel Jörg Hüller, alle JaboG 33 Büchel sowie Oberstleutnant Michael Weber-Blonsky, Kdo 2. LwDiv Birkenfeld ein noch feiner aufgelöstes regionales Modell, das RLM11 (Regionales Lokales Modell für den Bereich Afghanistan, Gitterweite 7km) gerechnet. Auf diese Weise können sämtliche für die einsatzbezogene Wetterberatung relevanten Parameter als sogenannte Gitterpunktfelder in hoher räumlicher Auflösung dargestellt und für die Vorhersage genutzt werden. Leider hält die zeitliche Auflösung der im GGS NinJo abgelegten Vorhersagefelder (alle sechs beziehungsweise zwölf Stunden) mit der horizontalen nicht Schritt, weil aus Gründen der Datenübertragungs- kapazität via Satellit nicht alle Vorhersagefelder übertragen werden können. Dieser Mangel an zeitlicher Auflösung der Gitterpunktfelder kann durch sogenannte Meteogramme, welche für zahlreiche Orte in Afghanistan vorliegen, teilweise abgemildert werden. Meteogramme stellen den zeitlichen Verlauf verschiedener meteorologischer Parameter grafisch dar. Sie bilden eine wertvolle Ergänzung, insbesondere bei der zeitlichen Fest- legung von Wetterereignissen an festen Orten, können jedoch niemals die dia- gnostische Arbeit des Wetterberaters vor Ort ersetzen. Wie ist es nun um die Vorhersagegüte der numerischen Modelle in Afghanistan bestellt? Die Antwort ist ernüchternd: sehr unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorhersagegüte im Vergleich dazu recht gut. Die Ursache für die unterschiedliche (das heißt oft schlechte) Vorhersagegüte in Afghanistan liegt auf der Hand: ein unregelmäßiges Relief mit großen Höhenunterschieden in Verbindung mit dem bereits beschriebenen unzureichenden Wetterbeobachtungs- messnetz. Wenn in einem solchen Umfeld kurzwellige Tröge (Trog=eine längliche Zone niedrigen Luftdrucks und starker Windgeschwindigkeit auf der Rückseite eines Tiefdruckgebietes) mit ihren Schlechtwettergebieten in rascher Folge vom Iran kommend Afghanistan überqueren, werden bereits in der Anfangsanalyse Position und Intensität dieser Tröge nicht richtig erfasst. Somit in der Vorhersage also auch nicht, zumal sich die Fehler in der Ausgangslage in der numerischen Berechnung der Vorhersagen fortsetzen und immer weiter verstärken. Es ist daher manchmal schon überraschend, dass der Vorhersagelauf vier Tage vor einem Termin besser mit der Wirklichkeit übereinstimmt als der Vorhersagelauf zwei oder drei Tage vorher. Die stark schwankende Vorhersagegüte erfordert daher besonders große Aufmerksamkeit durch den Berater. So ist die Vorhersage und Warnung von Extrem- ereignissen, wie zum Beispiel Starkregen, nicht nur für den Flugbetrieb, sondern auch für das Camp Marmal wichtig. Das derzeit in der Erprobung befindliche verlegefähige Wetterradar kann zukünftig die Nowcasting-Fähigkeiten in diesem Bereich deutlich verbessern. Ein in den Modellen GME und RLM11 fehlender Vorhersageparameter ist Staub. Staubstürme oder Sichteinschränkungen durch Staub sind in Afghanistan recht häufig vorkommende Er- eignisse. Im Winter sind sie oft an Kaltfronten gebunden, im Frühjahr zusätzlich als Staubwalze (Haboob) in der Nähe von Gewittern, im Spätfrühjahr/ Sommer in manchen Gebieten in Verbindung mit dem „Wind der 120 Tage“ (Afghanez). Staubtransportvorhersagekarten der U.S. Air Force Weather Agency sind über die internen Seiten des AGeoBw im IntranetBw abrufbar. Die Er- fahrungen mit der Zuverlässigkeit dieser Prognosen sind gut, und es wäre wünschenswert, wenn auch das GME oder das RLM11 solche Vorhersagen liefern könnten. In diesem Zusammenhang noch eine kurze Anmerkung zu den IMETOC (Integrated Meteorology and Ocean- ographic)-Produkten: Es hat sich gezeigt, dass diese Produkte, ebenso wie die Produkte der Meteogramm für Masar-e Sharif mit zeitlichem Verlauf verschiedener meteorologischer Parameter für den Gitterpunkt MES. Foto: AGeoBw


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