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HHK-4-2012

Wetterbeobachtung und Wetterberatung im ISAF-Einsatz in Afghanistan Streitkräftebasis Sichteinschränkung betroffen ist. Kurze Zeit später dreht der Wind auf westliche Richtung, und treibt den Dunst über die ganze Start- und Landebahn sowie über das Camp Marmal. Zuweilen kann die Horizontalsicht „gerochen“ werden und kann bei stark ausgeprägten Inversionen - ähnlich wie im Staub - binnen weniger Minuten von 20 Kilometer auf 1,5 Kilometer und weniger zurückgehen. Dieser Zustand hält je nach Grad der Luft- verschmutzung und Stärke der Inversion darüber in der Regel 60 bis 180 Minuten an. Sobald sich die Inversion anhebt oder sogar auflöst und Durchmischung der bodennahen Luftschicht einsetzt, löst sich die Sichttrübung und Ge- ruchsbelästigung im Camp und am Flugplatz ebenso wieder auf. Dieser lokale Effekt ist mit einer hohen Regelmäßigkeit an schwachwindigen, wolkenarmen Tagen bei Hochdruckwetterlagen zu beobachten. Damit wird deutlich, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit eine aktuelle und verwertbare Augenwetterbeobachtung vor Ort unverzichtbar ist, vor allem bei schlechten Wetterbedingungen. Wettermodelle und Vorhersagegüte Über das Fachsystem GGS (Gemeinsames Grafisches System) NinJo erhält der Wetterberater die wesentlichen Bausteine seiner Vorhersagen durch das globale Vorhersagemodell GME (Globales Modell Europa, mit einer horizontalen Gitterweite von 30km und 60 vertikalen Schichten) des DWD (Deutscher Wetterdienst). In diesem bereits sehr hoch aufgelösten Modell wird die vor allem in den Wintermonaten Dezember bis Februar auftreten. Wetterbestimmend in diesem Zeitraum sind Boden- oder Höhenfronten, die den Norden Afghanistans von West nach Ost überqueren. Meist findet sich eine Druckverteilung wieder, bei der flache Höhentiefs oder Tröge über ein flaches Bodenhoch geführt werden, was die Vorhersage der einzelnen Wettererscheinungen teilweise recht schwierig gestaltet. In den letzten zwei bis drei Jahren wurden noch bis Mitte Dezember Tageshöchsttemperaturen von 18° Celsius bis 20° Celsius erreicht. Während des Zeitraumes von November bis Anfang Dezember gibt es keinen oder nur sehr vereinzelt Niederschlag, bei nur leichter, hoher oder mittelhoher Be- wölkung. Gegen Mitte bis Ende des Novembermonats beginnt sich das Wetter in der Regel langsam umzu- stellen, bis dann Mitte Dezember die ersten Schlechtwettergebiete mit Regen, manchmal auch mit Schnee, den Norden Afghanistans von Westen her überqueren. Dabei sind die Schnee- fälle meist nicht sehr ergiebig. Im Verlauf werden Schneehöhen von drei Zentimeter bis sechs Zentimeter erreicht, die tagsüber meist wieder schmelzen. Allerdings gibt es ebenso Winter mit einer geschlossenen Schneedecke über einen längeren Zeitraum und Temperaturen zwischen -10° Celsius und -20° Celsius. Die Schneeräumung vor Ort bereitet relativ wenige Probleme, jedoch ist die Gefahr von überfrierender Nässe oder Schneematsch während der Nacht schon eher problematisch. Die Frontdurchgänge sind meist ge- kennzeichnet durch abrupt böig auffrischende Winde aus West und Beeinträchtigungen der Sicht durch Staub, wobei sich die Sicht schlag- artig verschlechtern kann. Die Wind- geschwindigkeiten betragen im Mittel um 25 Knoten und erreichen in Böen bis 45 Knoten. Die Sichten bei Frontdurchgängen liegen je nach Stärke der Böen und des Temperaturgradienten gewöhnlich zwischen zwei bis vier Kilometer und bis zu 0,2 Kilometer im Minimum, was erhebliche Einschränkungen, nicht nur für den Flugbetrieb bedeuten kann. In den letzten Jahren kam es, trotz der nicht sehr ergiebigen Niederschläge, immer wieder zu Überschwemmungen durch Schmelzwasser aus dem Marmal- Gebirge im Bereich der neuen Start- und Landebahn. Diese war dann mehrfach für einige Stunden nicht nutzbar. Vereinzelt gibt es auch Phasen, die ergiebige Niederschläge bringen, wobei das Wasser aufgrund der stark ausgetrockneten Böden nicht versickern kann. Damit sind Überschwemmungen im Camp und im Bereich des Flugplatzes aufgrund des Abflussregimes geradezu vorprogrammiert. Da sich eine genaue Niederschlagsprognose aufgrund fehlender Daten wie bereits beschrieben recht schwierig darstellt, sind Vorhersagen solcher Ereignisse nur sehr kurzfristig möglich. Die wechselhafte Witterungsphase mit Frontdurchgängen und Niederschlägen im Drei- bis Fünf-Tage-Rhythmus dauert ungefähr bis Ende Februar/Anfang März, danach werden bereits oftmals wieder Tageshöchsttemperaturen von über 15° Celsius erreicht und es be- ginnt eine vergleichsweise trockene Witterungsphase, ehe dann von April bis Anfang Juni die Schauer- und Ge- wittertätigkeit einsetzt. Darüber hinaus sind in der kalten Jahreszeit Sichteinschränkungen durch Rauch problematisch. Da Holz oder Öl sehr knapp sind, wird in den Häusern und Wohnungen der afghanischen Bevölkerung alles verheizt, was brennt, vor allem Müll und Plastik, was eine er- hebliche Rauchentwicklung zur Folge hat. In den kalten Nächten bildet sich über der Stadt Mazar-e Sharif dadurch eine von weitem sichtbare Dunstglocke aus. Nach Sonnenaufgang und Er- wärmung des Erdbodens setzt sich diese Dunstglocke in Bewegung. Bedingt durch die Sonneneinstrahlung entsteht ein lokaler Windeffekt, der diese Dunstglocke meist erst südlich der Stadt verlagert, so dass zuerst der westliche Aufsetzpunkt der Landebahn von 45 HHK 4/2012 Sichttrübung durch Rauch/Dunst verschlechtern teilweise rapide die Sicht, nur 30 Minuten später eine optimale Sicht. Foto: Bundeswehr/Hüller


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