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Krieg: Die UN-Beobachter mittendrin

Zwei Panzerfahrzeuge der LAC stürmen den Berghang. Im Hintergrund eine Herde von Kühen die unbekümmert im Nebel des Krieges grasen.
Zwei Panzerfahrzeuge der LAC stürmen den Berghang. Im Hintergrund eine
Herde von Kühen die unbekümmert im Nebel des Krieges grasen.


WEILER-BODENSEE. Dienstagmorgen, 29. Juni. Schüsse ertönten im Tal von Weiler, Granaten detonierten auf der Höhe unterhalb von Schreckenmanklitz. Die einstige Stille über der kleinen Ortschaft verstummte. Kampfgeschrei ließ eine klare Botschaft verlauten: Die 4-PCE Übung ist auf dem Höhepunkt angekommen, denn es gibt Gefechte zwischen der Centland National Army (CNA) und der Liberation Army of Centland (LAC).

Ein Anführer der CNA macht Gefangene, mit dabei die Kameras der an diesem Tag anwesenden Medien.
Ein Anführer der CNA macht Gefangene, mit dabei die Kameras der an diesem
Tag anwesenden Medien.


Das Gefecht bei Weiler

Atemberaubende Bilder gab es für die Kamerateams und Reporter der regionalen und nationalen Medien zu sehen. Die über 120 Rollenspieler des Vereinte Nationen Ausbildungszentrums der Bundeswehr (VN AusbZ Bw) in Hammelburg lieferten spektakuläre Szenen um die Auseinandersetzung bei Weiler so realistisch wie möglich zu gestalten. Zwei gepanzertere Fahrzeuge der LAC rollten mit mehreren vermummten und schwer bewaffneten Männern an Bord den Berg ins Tal von Weiler hinunter. Sie wollten die dort in Stellung gegangen Soldaten der CNA direkt aufs Korn nehmen. Maschinengewehrsalven zerstörten jede Hoffnung auf Frieden, den sich die UN-Beobachter so erhofft hatten. Die Blauhelme observierten die Gegend von ihrer Stellung auf einem Hügel aus aufmerksam mit ihren Ferngläsern und meldeten die Geschehnisse an ihre Basis. Rauch, Nebel, Schüsse und Explosionen von Granaten machten aus der sonst so ruhigen Gegend ein richtiges Schlachtfeld. Die Einzigen die von der Waffengewalt wenig beeindruckt schienen, waren Kühe, die auf ihrer Weide oberhalb des Tals grasten. Nach einem 20-minütigen Feuergefecht traten die angreifenden Truppen der LAC den Rückzug an. Sie ließen ihren Feinden mehrere Tote und Gefangene zurück. Die Militär-Beobachter sahen, dass beide Seiten viele Verwundete hatten, die dringend Hilfe benötigten.

Verwundetenversorgung an der Teambase der UN-Beobachter
Verwundetenversorgung an der Teambase der UN-Beobachter


Rettung in größter Not

Eine Stunde später brach an der Teambase der UN-Beobachter in Heimkirchen (Teambase A) das Chaos aus. Zwei Fahrzeuge, beladen mit verletzten und schwerverletzten Milizsoldaten der CNA fuhren bei der Teambase vor. Colonel Getsim, der Anführer der CNA, trat hervor und bat die UN-MOS (UN Military Observer) eindringlich um ihre Hilfe bei der Versorgung seiner Verwundeten. Er könne diese Aufgabe nicht mehr alleine bewältigen, da seine Ärzte und Sanitäter alle im Gefecht gefallen seien, erklärte der Kommandeur. Für die Blauhelme stellte sich gar nicht erst die Frage, ob Hilfe richtig oder falsch sei. Obwohl sie ihre Neutralität zwischen Kriegsparteien in jedem Fall bewahren müssen, zögerten sie nicht. Letztendlich waren sie gezwungen zu helfen, da ihnen ansonsten die Bevölkerung vorwerfen könnte, sie würden sich als Helfer ausgeben, aber in größter Not nicht bereit sein, Hilfe zu leisten. Die UN-MO´s kümmerten sie sich mit allen verfügbaren Mitteln um die Erstversorgung der verwundeten Männer und Frauen. Sie schafften es, alle Verwundeten so zu versorgen, dass alle Soldaten Getsims in ein Krankenhaus gebracht werden konnten. Verfolgt wurden die Geschehnisse von den Instruktoren sowie von Oberst Reinhard Barz, dem Leiter des VN AusbZ Bw persönlich. Dieser war mit den an diesem Tag gezeigten Leistungen sichtlich zufrieden.

“Am Ende unserer multinationalen Übung kann man deutlich den sehr hohen Ausbildungstand der angehenden UN-MOS erkennen. Sogar komplexe, moralisch wie rechtlich fordernde Szenarien, wie diese Verwundetenanlieferung durch einen Milizführer, wurde vortrefflich gelöst“, lobte Barz alle Beteiligten.


Bericht: Roman Hermann
Fotos: Martin Kirster

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