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Interview mit Michael Brod, Präsident der Wehrbereichsverwaltung West

Michael Brod ist seit dem 13. Juni 2008 Präsident der Wehrbereichsverwaltung West (WBV West) in Düsseldorf. Nach Beendigung eines Studiums der Rechtswissenschaften begann Brod seine Laufbahn in der Bundeswehrverwaltung bei der Wehrbereichsverwaltung IV in Wiesbaden im Juni 1979 als Dezernent für Allgemeine Rechtsangelegenheiten des Wehrersatzwesens. 1982 bis 1996 war er Referent im BMVg in den Referaten P I 3, P I 1 und Org I. Von 1996 bis 1998 nahm Brod die Tätigkeit als Referatsleiter WV I 3 – Planung der Territorialen Wehrverwaltung –wahr. Dieser Verwendung folgte bis 2003 eine weitere Tätigkeit als RefLtr WV I 1 – Organisation und Dienstaufsicht TerrWV – und ab Juli 2003 wurde er dann Unterabteilungsleiter WV I im Range eines Ministerialdirigenten. Gefragt nach seinen persönlichen Zielen als Präsident einer Wehrbereichsverwaltung, gab er zur Antwort: „Ich möchte meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein vorbildlicher „Chef“ sein… und ich möchte in fünf Jahren eine struktursichere Wehrbereichsverwaltung West an meine Nachfolge übergeben können.“

 

 

Präsident Michael Brod.

 

HHK: Herr Präsident, Sie sind nunmehr fast einhundert Tage im Amt. Was sind die ersten Erfahrungen, und wo sehen Sie Ihren persönlichen Handlungsbedarf?

Brod:
Sie fragen mich, was meine ersten Erfahrungen sind, und wo ich für mich persönlichen Handlungsbedarf in meiner neuen Funktion sehe. Zu den Erfahrungen – es war eine große Freude und auch etwas innere Befriedigung feststellen zu dürfen, dass die von mir immer wieder vertretene These „Die Wehrverwaltung ist der beste Partner für die Streitkräfte; sie ist der beste Partner, den die Streitkräfte haben können“ richtig ist! Ich war und bin mir immer der Leistungsfähigkeit, aber auch der Leistungsbereitschaft der zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundeswehr, insbesondere der
Territorialen Wehrverwaltung, bewusst gewesen. Egal, wo sie ihre Aufgaben erledigen: in den Bundeswehr-Dienstleistungszentren,
in den Kreiswehrersatzämtern oder in den Bundeswehrfachschulen. Natürlich aber auch in – ich darf sagen meiner – Wehrbereichsverwaltung hier in Düsseldorf und ihrer Außenstelle in Wiesbaden. Zum Handlungsbedarf – den Eindruck, den ich eben geschildert habe, möchte ich intensiv nach außen kommunizieren. Nach außen heißt, in die Streitkräfte hinein. Nach außen heißt aber auch, in den Bereich außerhalb der Bundeswehr.
Dabei denke ich beispielsweise an dieKommunen, an die Regierungspräsidien oder, wofür ein Präsident einer Wehrbereichsverwaltung
in besonderer Weise berufen ist, auch an den Kontakt zu den Landesinstitutionen. Handlungsbedarf sehe ich auch darin, dass ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder in ihrem positiven Verhalten, auch und gerade was die Teilhabe am Einsatz anbelangt, unterstützend unter die Arme greife und sie in diesem Aufgabenfeld, in dieser Verantwortung bestärke. Das ist mir sehr wichtig, denn der Einsatz ist wirklich das A und O. Über ihn defi niert sich heute die Bundeswehr, die sie ausmachenden Organisationsbereiche und damit auch und gerade die Wehrverwaltung.

 

 

 

HHK: Die Wehrverwaltung West ist auf zwei Standorte, Düsseldorf und Wiesbaden, aufgeteilt. Halten Sie diese Situation weiterhin für geeignet und nehmen Sie die Führung und Dienstaufsicht quasi als Pendler wahr? Und weiter – gibt es Überlegungen, diese Teilung, im Übrigen nicht nur bei der Wehrbereichsverwaltung West, zu beenden?

Brod: Es handelte sich bei der Einrichtung der Außenstellen nicht nur im Verhältnis Düsseldorf-Wiesbaden, sondern auch im Verhältnis Stuttgart-München oder im Verhältnis Hannover- Kiel, um eine politische Entscheidung. Ich betone das. Diese politische Entscheidung hat sich für meine Begriffe
uneingeschränkt bewährt. Auch deshalb, weil alle, die damit zu tun hatten und haben, das Miteinander sehr fl exibel handhaben. Nicht stur nach einer einmal getroffenen Festlegung – sei es hinsichtlich des Umfanges von Mutterhaus und Außenstelle, hinsichtlich der Aufgabenverteilung
zwischen Mutterhaus und Außenstelle oder hinsichtlich des Personaleinsatzes in Düsseldorf oder in Wiesbaden. Die Frage nach Steuerung, Führung,
Dienstaufsicht – natürlich ist es meine Aufgabe zu führen, ist es meine Aufgabe zu steuern, und es ist meine Aufgabe,
in meinem Zuständigkeitsbereich Dienstaufsicht auszuüben. Da ich mich aber uneingeschränkt auf meine Kolleginnen und Kollegen in Wiesbaden wie
hier in Düsseldorf verlassen kann, ist die Bedeutung, insbesondere der Dienstaufsicht, nicht so furchtbar groß. Im Übrigen habe ich im Kollegen Heuschkel (Anmerkung der Redaktion: Leiter Außenstelle Wiesbaden) einen fachlich ebenso wie menschlich versierten „Stadthalter“, den ich seit langen, langen Jahren bestens kenne. Wir sind fast zur selben Zeit eingestellt worden. Wir haben unsere ersten berufl ichen Schritte in derselben
Aufgabe, nämlich im damaligen Beamtendezernat I B I, heute I 2, absolviert. In ihm weiß ich die Belange der Außenstelle und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestens aufgehoben. Überlegungen, von Trennung in Mutterhaus und Außenstelle im Westen, im Süden oder im Wehrbereich Nord, Abstand
zu nehmen, gibt es nicht. Ich betone das. Allerdings haben wir von Anfang an Mutterhaus und Außenstelle als eine Einheit begriffen, die lediglich an zwei unterschiedlichen Orten wirkt. Undwie bereits gesagt, sowohl hinsichtlich der Aufgabenverantwortlichkeit, der Organisation und des Personaleinsatzes
haben und werden wir fl exibel handeln; im Interesse der Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter und einer optimalen Aufgabenwahrnehmung.

 



Präsident Michael Brod (rechts) im Gespräch mit Jürgen K.G. Rosenthal.

 

HHK: Der Bereich der Wehrverwaltung wird im Rahmen der Zielstruktur 2010 weiter auf insgesamt 75.000 Dienstposten abgebaut. Wie viele Dienstposten
davon fallen bei der WBV West weg und wo müssen Sie Leistungen einschränken bzw. gänzlich zurücknehmen?

Brod:
Die 75.000 Dienstposten entsprechen 75.000 Haushaltsstellen – das ist ganz wichtig zu wissen. Im Übrigen ist es eine Größe, die nicht nur die Wehrverwaltung, sondern das Zivilpersonal in der Bundeswehr insgesamt umfasst. Ca. 28.000 Dienstposten für die Teilstreitkräfte, den so genannten STAN-Bereich, ca. 10.000 für den Rüstungsbereich und noch einmal ca. 3.000 für das BMVg. Damit bleiben für die Territoriale Wehrverwaltung
ca. 34.000 Dienstposten in der Zielstruktur. Diese Zahl muss noch einmal relativiert werden, weil 2.000 Dienstposten cum grano salis (Anm. d. R.: Mit einem Körnchen Salz – oder sinngemäßmit der nötigen Einschränkung) so genannte Kooperationsdienstposten sind. Das heißt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen solchen Dienstposten wahrnehmen, leisten Dienst bei unseren Partnergesellschaften, beispielhaft nenne ich die LHBw oder den Bw- Fuhrpark Service. Die Kolleginnen und Kollegen sind an diese Gesellschaften entliehen. Wenn sie ausscheiden oder durch eigenes Personal ersetzt werden, dann fallen diese Dienstposten nicht an uns zurück, so dass wir in der Zielstruktur eigentlich nur über ca. 32.000 Dienstposten für die Aufgaben der Territorialen Wehrverwaltung auf Ortsebene, aufMittelebene und im Bereich der zentralen Institutionen verfügen werden. Auf den Wehrbereich West herunter gebrochen bedeutete die Reduzierung des zivilen Personals eine Rückführung von im Jahr 2006 insgesamt ca. 9.800 Dienstposten auf im Jahr 2010 ca. 7.800 Dienstposten, also eine Einsparung von rund 20%. Diese 20% sind aber, und das ist wichtig zu betonen, keineswegs alles, was an Einsparungen erbracht worden ist und werden musste, denn die Ausgangszahl für die Territoriale Wehrverwaltung, wie übrigens für alle anderen Organisationsbereiche auch, lag höher. Sie müssen von ca. 54.000 Dienstpostenfür die Territoriale Wehrverwaltung zu Beginn der Reduzierung ausgehen, bei einem Ziel von ca. 34.000 macht das Reduzierungen zwischen 33% und 36% aus. Die zunächst genannten „nur“ 20% erklären sich daraus, dass Einsparmaßnahmen des Ministeriums selber bereits zu nicht unwesentlichen Reduzierungen geführt haben. Im Einzelnen – und auch in der Zielstruktur – verfügt die Wehrbereichsverwaltung mit ihrer Außenstelle über rund 1.200 Dienstposten. Die Bundeswehr-Dienstleistungszentren über rund 5.300 und die Kreiswehrersatzämter im Zuständigkeitsbereich der Wehrbereichsverwaltung West über rund 1.300 Dienstposten, so dass ich in der Summe auf die genannten rund 7.800 Dienstposten im Ziel komme. Zu der Frage nach den Leistungseinschränkungen darf ich mein altes Referat zitieren. Bereits Mitte 2006 hat der für die Organisation der Territorialen Wehrverwaltung zuständige WV I 1er in einem Erlass an den nachgeordneten Bereich ausgeführt, Zitat: „Die hohe Einsparaufl age wird deshalb zweifelsfrei zu einem starken Spannungsfeld zwischen Serviceerwartungen und Realisierungsmöglichkeiten führen.“ Ich kann heute feststellen, dass wir seit Beginn der Einnahme der neuen Struktur – jetzt auch im personellen Nachvollzug – letztlich keine signifi kanten Leistungseinbrüche zu verzeichnen haben. Das gilt beispielsweise auch für die in den letzten Wochen und Monaten stark in die Diskussion gekommene Beihilfebearbeitung. Natürlich würden wir gerne noch schneller und noch umfassender leisten,
aber ich muss einfach um Verständnis bitten, dass bei diesen dramatischen Reduzierungen manch Bearbeitungszeit etwas länger dauert. Die Qualität, aber auch die Quantität, der von uns erwarteten und von uns zu erbringenden Arbeit hat noch nicht gelitten und wird hoffentlich auch nicht leiden.

HHK:
Die Auslandseinsätze der Bundeswehr binden auch einen erheblichen Anteil Ihres Personals, und dies weile schon seit geraumer Zeit, wobeiein Ende derzeit nicht absehbar ist. KönnenSie uns hierzu mehr Informationen und Zahlen nennen?

Brod:
Die Einsätze bestimmen die Bundeswehr und damit auch die Territoriale Wehrverwaltung. Die Territoriale Wehrverwaltung ist in ihrem Grundbetrieb
darauf ausgerichtet, ihren Anteil am Auslandseinsatz uneingeschränkt zu erbringen und hat ihn bislang auch erbracht. Und ich denke, sie wird ihn
auch bei zunehmender Inanspruchnahme erbringen können. Wir sind seit weit über 10 Jahren in die Auslandseinsätze eingebunden. Jahr für Jahr sind etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Territorialen Wehrverwaltung in den drei großen Einsätzen – ISAF, KFOR, EUFOR – gebunden. Zurzeit sind dies für die Wehrbereichsverwaltung West 16Frauen und 69 Männer. Insgesamt haben wir im zurückliegenden Zeitraum – ich sagte deutlich über zehn Jahre – 980 Kontingenteinsätze gesponsert. In diesen Einsätzen waren 154 Frauen und 826 Männer tätig. Fast 300 davon waren mehr als einmal im Einsatz. Wir sind auf die Einsätze organisatorisch, aber auch personell gut vorbereitet. Organisatorisch durch so genannte Einsatzdienstposten, die in zwei Kontingente aufgeteilt sind. Ein Kontingent I, bei dem die Inhaberinnen und Inhaber der Dienstposten ausschließlich für den Einsatz zur Verfügung stehen. Sie sind unter allen Gesichtspunkten, beispielsweise des Impfstatus oder der Sprachfertigkeit, darauf eingerichtet, von heute auf morgen mit einem „Fact Finding Team“ der Soldaten in einen Einsatz, hier konkreter in die Einsatzvorbereitung, zu gehen. Von diesen Dienstposten gibt es bundeswehrweit rund 200, 43 davon im Wehrbereich West. Um in den Einsätzen durchhaltefähig zu sein, gibt es ein zweites Kontingent, mit derzeit etwas über 3.000 Dienstposten. Die Kolleginnenund Kollegen, die auf diesen Dienstposten „sitzen“, nehmen primär Aufgaben des Grundbetriebes wahr.
Sie sind Personalsachbearbeiter, Infrastrukteure oder leiten eine Behörde, ein Bundeswehr- Dienstleistungszentrum ebenso wie ein Kreiswehrersatzamt.
Sie können jederzeit zu einem Auslandseinsatz nach entsprechender Vorbereitung, ich nenne das Stichwort „Hammelburg“, für Einsätze herangezogen werden. In unserem Wehrbereichsind dies etwa 650 Dienstposten der Kategorie II.

HHK: Gibt es noch andere zusätzliche Aufgaben, die Sie künftig übernehmen werden?

Brod: Als erstes möchte ich feststellen, dass der Einsatz, wenn Ihre Frage so gemeint war, keine zusätzliche Aufgabe ist. Er ist heute die bestimmende Aufgabe der Bundeswehr. Weitere Aufgaben? Ich sage nein. Ich kann aber durchaus auf eine Aktivität hinweisen, die auf Bundesebene von BMI und BMF getragen wird, und die sich mit den Stichworten „Shared Services“ und „Dienstleistungszentren“ umschreiben lässt. Dahinter steht die Idee, zentrale Aufgaben zusammenzufassen, um sie besser und effektiver aus einer Hand anbieten zu können. Beispielhaft nenne ich das Gebührniswesen. Allerdings – und das ist ganz wesentlich – hat völlig zu Recht Staatssekretär Dr. Wichert diese Überlegungen für unser Ressort zurückgestellt. Er hat gegenüber BMI und BMF erklärt, dass sich die Bundeswehr im Neuordnungsprozess der Transformation zwar inhaltlich an den Diskussionen
beteiligt, für die Übernahme oder Abgabe von Aufgaben aber zur Zeit keinen Raum sieht. Allerdings sei die Bundeswehr gerne bereit, die Leistungen ihrer privaten Partnergesellschaften, zum Beispiel der LHBw oder des Bw- FuhrparkService, anderen Ressorts zur Verfügung zu stellen.
Wir selber sehen uns, was „Shared Services“ und vor allem „Dienstleistungszentren“ anbelangt, bereits in der Zukunft angekommen. Eine Wehrbereichsverwaltung ist ein Dienstleistungszentrum, in dem aus einer Hand geleistet wird; mit Personal, Infrastruktur und Gebührnissen. Und genauso ist es auf der Ortsebene. Hier verweise ich auf die begriffl iche Gleichheit und nehme mit einigem Stolz für uns in Anspruch, dass wir das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum namentlich schon lange vor einem „Dienstleistungszentrum“ à la BMI und BMF geboren und in Ablösung des überholten Begriffes „Standortverwaltung“ eingeführt haben.

HHK: Zum Abschluss, welche persönlichenZiele haben Sie sich für Ihr neues Amt gesetzt?

Brod: Da gebe ich drei Antworten: Ich möchte meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein vorbildlicher „Chef“ sein. Ich möchte unseren militärischen und zivilen Partnern ein zuverlässiger Wegbegleiter sein, im Grundbetrieb wie im Einsatz, und ich möchte in fünf Jahren eine struktursichere Wehrbereichsverwaltung West mit ihren nachgeordneten Dienststellen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen,
Rheinland-Pfalz und dem Saarland, einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger mit den Worten übergeben können : Ad multos felices annos. (Anm. d. R.:
Auf viele glückliche Jahre!) Ich danke Ihnen für das Gespräch.

HHK: Herr Präsident, auch wir bedanken uns für das sehr interessante Gespräch.

Autor: Jürgen K.G. Rosenthal
Fotos: Pressestelle WBV West

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